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An Lebensqualität arbeiten – Beratung kann helfen

Angebote für landwirtschaftliche Familienbetriebe

Unsere Landwirtschaft wird seit jeher in einem besonderen Umfeld praktiziert: Die Menschen leben auf ihrer Arbeitsstelle, binden oftmals die ganze Familie in das Geschehen ein und stehen ständig für nötige Anforderungen im Kreislauf der Natur und des Betriebes parat. Dieses System hat diesen Wirtschaftsbereich über Jahre gestärkt und besonders effektive Wirtschaftsleistungen hervorgebracht. Diese enge Verknüpfung der Faktoren bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Wie können Landwirte künftig nachhaltig (weiter) wirtschaften, wenn neben der Ökologie und der Ökonomie der große Bereich der sozialen Komponente immer mehr leidet? Für umweltrelevante und finanzielle Herausforderungen gibt es eine Vielzahl von Vorgaben und Beratungsangeboten. Das besondere Gefüge eines Familienbetriebes bedarf allerdings einer besonderen Aufmerksamkeit.

Ländliche Familienberatung: (Zukunfts-)Ängste und psychische Erkrankungen im Fokus

Es ist eine besondere „Stärke“ von Familienbetrieben, dass in Krisenzeiten das „Private“ für das „Betriebliche“ zurückstecken muss und man somit kurzfristig Situationen überbrücken kann. Auch ist es eine Selbstverständlichkeit, bei komplexen betrieblichen Entscheidungen zusätzliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Warum tun sich viele landwirtschaftliche Familien so schwer, externe Beratung im Umfeld der landwirtschaftlichen Unternehmerfamilie einzuholen? Ein Grund kann sicherlich darin bestehen, dass die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Hof und Familie nicht immer in den gängigen Beratungsinstitutionen verstanden werden (können). Dazu braucht es Hintergrundwissen, welches sowohl die sozioökonomische Beratung der öffentlichen Stellen als auch die „Ländliche Familienberatung“ der kirchlichen Einrichtungen bieten kann. Gut ausgebildete Berater mit einem landwirtschaftlichen Hintergrund und Verständnis kommen zu zweit in die Familie(n), um gemeinsam nach Wegen und Lösungen zu suchen. Bei über 700 Beratungsfällen der LFB Oesede in den vergangenen 20 Jahren ist die Nachfrage weiterhin gegeben. Die über 30 ehrenamtlichen Berater stellen dabei eine Verschiebung der Problemlagen fest. Waren es in den Anfangsjahren noch eher handfeste Konflikte unter den jeweiligen Parteien, so sind es in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Themen rund um (Zukunfts-)Ängste und psychische Erkrankungen aufgrund von erhöhtem (Arbeits-)Druck. Die Berater folgen dabei stets dem Grundsatz „hören – spüren – ermutigen“, damit die Beteiligten selber das Problem im Beratungsprozess erkennen und bearbeiten können.

Dialog-Abende zu Wirtschaftsweisen eines Landwirts

Sowohl beim Sorgentelefon und der Familienberatung hören wir vermehrt, dass die Lebensqualität von Landwirtsfamilien stark darunter leiden kann, wenn das Wohnumfeld nicht mehr positiv erlebt wird. Hier setzt unser Beratungsangebot „Dorfgespräch“ der Landvolk Hochschule Oesede an. In einem Modellprojekt für Niedersachsen haben wir gemeinsam mit Landwirten zwei Bausteine entwickelt, die das gemeinsame Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum aufwerten sollen. Gemeinsam mit der Landwirtsfamilie wird ein sog. „Dialog-Abend“ entwickelt, um die Anlieger/Siedlungsgemeinschaften über die Wirtschaftsweisen eines Landwirtes zu informieren. Er vermittelt Einblicke z.B. in die Tierhaltung oder das Leben auf dem Hof. Ausdrücklich sollen dabei die Wünsche, Erwartungen und Sorgen der Nachbarn aufgenommen werden. Der daraus entstehende Dialog hat mittlerweile bei vielen Landwirten im Nachgang bewirkt, dass ein freundlicheres Miteinander im Alltag Einzug gefunden hat. Im Baustein „Dialog-Prozess“ ist das Engagement der Landwirtsfamilien im Ort gefragt. Es geht hierbei z.B. nicht um die Auswahl der Farbe von Pflastersteinen im Rahmen der Dorferneuerung, sondern um die dauerhafte Verankerung einer akzeptierten Landwirtschaft in den Köpfen der Bewohner. Auch hier hören wir Rückmeldungen, dass die (wieder) bewusst gewordene Verknüpfung von Arbeiten und Wohnen im ländlichen Raum gerade den Charme im Umfeld ausmacht.

Diese besondere Lebensqualität bedarf einer besonderen Beachtung und auch Engagement der Akteure. Sie muss – wie in allen Produktionsbereichen der Landwirtschaft – ständig gepflegt und bearbeitet werden, damit Landwirtsfamilien auf Dauer ein gutes Leben führen können.

Autor: Andreas Brinker, Bildungsreferent an der Katholischen LandvolkHochschule Oesede.