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Digitalisierung der Wirtschaftsdüngerausbringung

Mit der Plattform Wirtschaftsdüngerausbringung organisieren und Nährstoffflüsse managen

Die Probleme der Veredelung sind mit dem Inkrafttreten der Düngeverordnung noch größer geworden. Dies wird dazu führen, dass mehr Wirtschaftsdünger aus den Veredelungsregionen verwertet werden muss. Neben dieser Problematik wird der Dokumentationsaufwand für die Betriebe in Zukunft deutlich größer. Hierfür bietet die Firma ODAS neben der praktischen Dienstleistung die Software DELOS an, die über die Raiffeisen Warengenossenschaften und die Agrarzentren der Agravis Raiffeisen AG vertrieben wird. Aber wieso beschäftigt sich ein Dienstleister wie ODAS mit der Programmierung und dem Vertrieb einer Software?

ODAS hat sich im Jahr 2010 dazu entschlossen, wiederkehrende Arbeitsschritte im Unternehmen zu digitalisieren. Es drehte sich hauptsächlich um die Frage: Wo, bzw. auf welcher Fläche soll Silomais gehäckselt werden, und wo, bzw. in welches Lager soll die Ware eingelagert werden. Es ging im ersten Schritt also um die Geodaten der Fläche oder des Lagers. Man hat versucht, unter den führenden Anbietern am Markt eine geeignete Lösung zu finden. Leider ohne Erfolg. Die Softwarehersteller waren vor allen Dingen nicht bereit, auf unsere Wünsche einzugehen und kleinere Veränderungen umzusetzen. Dies hatte zur Folge, dass ODAS im Jahre 2012 damit begonnen hat, eine eigene Plattform bzw. Softwarelösung zu entwickeln.

Plattform als Schaltzentrale der Wirtschaftsdüngerverwertung

Das Projekt „DELOS“ war geboren und so konnten sich im Jahre 2012 zum ersten Mal Landwirte über die ODAS-Homepage bei DELOS einloggen und eine Fläche, auf der Mais gehäckselt werden sollte, einzeichnen. Dies war die erste Funktion in der neuen Plattform. Dann stellte man fest, dass es eigentlich genial wäre, wenn die Kunden, die Wirtschaftsdünger abgeben oder aufnehmen wollten, ebenfalls die Fläche oder die Stallung digital an ODAS schicken könnten. Ein Beispiel war sicherlich der Internetriese AMAZON, der Bestellungen vom Eingang bis zur Auslieferung über seine Plattform abbildete. Die Kunden von ODAS sollten in die Lage versetzt werden, gezielt auf einer Fläche eine organische Düngung bestellen zu können und zwar zum gewünschten Termin, mit der richtigen Ausbringtechnik und der gewünschten Ware. Dies führte dazu, dass wesentliche Prozesse im Unternehmen ab sofort digitalisiert waren und der Vertriebsmitarbeiter sich über die wichtigen Themen mit dem Kunden unterhalten konnte. Die üblichen Fragen, wann soll etwas auf welcher Fläche gemacht werden, entfielen. 

Vom Wirtschaftsdüngermanagement zur Komplettlösung

Ein nächster Meilenstein war die Einbindung der gesamten Logistikkette. Also wie kommt die Bestellung des Kunden über die Dispo auf den LKW? Hierzu wurde in DELOS ein großes Auftragstool entwickelt, das es dem Disponenten ermöglichte, die Kundenwünsche in Aufträge zu konfektionieren. Danach konnte man die Aufträge auf verschiedene LKW verteilen. Es folgte danach die Einbindung der Subunternehmer. Das bedeutet, dass die Dispo von ODAS Aufträge nicht nur an eigene Fahrzeuge senden kann, sondern auch Subunternehmer, als Systemteilnehmer von DELOS, Aufträge erhalten konnten.

Das Ziel war immer das gleiche. Wie kann man mit möglichst wenig Kommunikation die erhaltenen Aufträge bis zur Durchführung komplett digitalisieren. Wichtig war hier immer, dass jede Kommunikationsebene nur die zuständigen Bereiche sehen konnte.

In den folgenden Jahren wurden viele weitere Schritte digitalisiert:

  • Erstellung von Lieferscheinen für Nähstoffverwertung
  • Transfer der Nährstofflieferscheine nach Wirtschaftsdüngernachweisverordnung aus DELOS direkt zu den zuständigen Landwirtschaftskammern
  • Komplette Digitalisierung der Tagesberichte der Fahrer. ODAS ist seit 2014 in diesem Bereich „papierlos“. Jedes Fahrzeug hat ein eigenes Table, auf dem sich der Fahrer bei Arbeitsbeginn einloggen kann.
  • Zeiterfassung der Mitarbeiter
  • GPS-Ortung der Fahrzeuge
  • Bereitstellung der DELOS APP

Einen großen Bedarf sahen die Kunden in der Ackerschlagkartei, die nur so groß sein sollte, dass Veredelungsbetriebe, die hauptsächlich im Stall arbeiten, die Hürde der Digitalisierung auf dem Acker nehmen und die Auflagen der Dokumentation erfüllen konnten. Diese Ackerschlagkartei hat ODAS 2015 erstmalig online gestellt. Dann kam die neue Düngeverordnung mit all ihren Vorgaben und Auflagen im Jahr 2017 dazu und hat uns veranlasst, DELOS als Komplettlösung für das Thema „Düngeverordnung“ zu programmieren und den Kunden zur Verfügung zu stellen. Folgende Themen können mit DELOS aktuell zusätzlich abgebildet werden:

  • Düngebedarfsplanung N-P
  • Ackerschlagkartei
  • Lieferscheinmanagement
  • Wirtschaftsdüngermeldungen per Schnittstelle zur Kammer
  • Plausibilisierte Feld-Stall Bilanz
  • Stoffstrombilanz (in Umsetzung)

Management der Nährstoffflüsse 

Ein weiteres Highlight im Programm ist der automatisierte Import von nährstoffrelevanten Daten aus der Genossenschaft in die Bilanz des Kunden. Was ist damit gemeint?

In Zukunft wird es immer schwieriger, die aktuelle Nährstoffsituation eines Veredelungsbetriebes in Echtzeit darzustellen. Man kann davon ausgehen, dass viele Betriebe zum Ende eines Wirtschaftsjahres feststellen werden, dass noch mehr Wirtschaftsdünger hätte abgegeben werden müssen. Dies ist dann meistens in der Sperrfrist mit hohen Kosten verbunden. Durch den Datenimport in Echtzeit kann der Landwirt nach dem Einkauf von z. B. Futtermittel bei seiner Genossenschaft die zugeflossene Nährstoffmenge in seiner Bilanz und die damit verbundenen Auswirkungen für seinen Betrieb sehen. Dies erfolgt durch die Anbindung der Warenwirtschaft der Genossenschaft zu DELOS über eine weitere Schnittstelle.

Er kann so zeitnah Maßnahmen ergreifen, um z. B. weiteren Nährstoffexport zu beauftragen und dieses nicht erst am Ende seines Wirtschaftsjahres bei der Erstellung der Feld-Stall Bilanz machen zu müssen. Des Weiteren kann er in DELOS Auswirkungen, z. B. beim Wechsel des Futtermittels, simulieren und somit seine Prozesse besser planen.

Der Weg zum Landwirt

Natürlich mussten wir uns an dieser Stelle auch Gedanken um den Vertrieb machen. Da wir im Unternehmen nicht so aufgestellt waren, ganz Deutschland zu bereisen, haben wir uns überlegt, wer ein geeigneter Vertriebspartner sein könnte. Ziel war hier, DELOS nicht einfach auf den Markt zu werfen, sondern die Kunden sollten einen festen Ansprechpartner für ihre Fragen zum Programm und zur neuen Düngeverordnung haben. Diesen Partner haben wir in den Raiffeisen Warengenossenschaften und den Agrarzentren der AGRAVIS Raiffeisen AG gefunden.

Mittlerweile haben wir DELOS in über 40 Genossenschaften und Agrarzentren in Deutschland installiert. Unsere Aufgabe ist hier, zum einen die Software auf eigenen Servern bereitzustellen, zum anderen die zuständigen Mitarbeiter der Genossenschaften permanent im Programm und in der neuen Düngeverordnung auf dem Laufenden zu halten, damit der Kunde immer die richtigen Informationen bekommt. Des Weiteren kann der Mitarbeiter der Genossenschaft über seine Ebene Dokumentationsaufgaben sowie z. B. die Pflege der Ackerschlagkartei im Auftrage des Landwirtes übernehmen. Es gibt immer mehr Kunden, die diese Komplettdienstleistung in Anspruch nehmen. 

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Weg in die Digitalisierung für ODAS mit der Programmierung einer eigenen Lösung begonnen hat. Ziel war es nicht, von vorneherein eine Software für die Landwirte und den vor- und nachgelagerten Bereich zu entwickeln und zu vertreiben. Hieraus ist für ODAS ein Geschäftsmodell entstanden.

Mittlerweile wurde DELOS in der ODAS IT weiterentwickelt. Mit über 40 Genossenschaften und mehreren tausend Nutzern sind wir am Markt gut aufgestellt. 

Autor: Steffen Schirmacher-Rohleder, Schirmacher@odas.biz 
Steffen Schirmacher-Rohleder ist Geschäftsführer der ODAS GmbH, Dorsten (Nordrhein-Westfalen)

Porträt ODAS

Die Firma ODAS beschäftigt sich seit der Gründung im Jahre 2004 in einem Kernbereich mit der Vermittlung und dem Handel von organischen Düngern. Nach nunmehr 14 Jahren beträgt die gehandelte und transportierte Tonnage ca. 500.000 t pro Jahr. Des Weiteren verzeichnet das Unternehmen in diesem Bereich ein konstantes Wachstum.