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Eigene Ziele, Familie und zwei Betriebsstandorte vereinen

Familiärer Rückhalt und Digitalisierung machen es möglich

Landwirtschaftliche Betriebe sind immobil. Sie sind in ein Netz aus Vertragspartnern und Wettbewerbern, Umwelt und Gesellschaft eingebettet. Die zwei Betriebe, auf denen mein Mann und ich arbeiten, liegen ca. 235 km voneinander entfernt, der eine in Nordrhein-Westfalen, der andere in Sachsen-Anhalt. Mobilität ist da gefragt. Sicher, beide Betriebe und die eigene Familie unter einen Hut zu bekommen, stellt eine echte Herausforderung dar. Ohne Kinder, so können sich wohl viele vorstellen, kann man die Distanz noch recht gut meistern, auch wenn bereits dann viel Zeit auf der Straße bleibt. Mit drei Kleinkindern, so ist sich wohl die Mehrheit einig, scheint die Situation mehr als schwierig. Unsere drei Kinder vereinfachen die Lage sicher nicht. Sie bereichern aber unser Leben ungemein und für uns ist ganz klar, dass sie unter der Konstellation nicht leiden sollen. Gleichzeitig sollen aber auch die zwei Betriebe erfolgreich weiterentwickelt werden. Wie kann nun unsere Lebensqualität gesichert werden? Wir nutzen Zeiten, die wir auf den Betrieben getrennt voneinander verbringen, intensiv für den jeweiligen Betrieb. Wir nutzen unsere Freizeit für uns und unsere Kinder (Spaziergänge, Essengehen, längerer Jahresurlaub etc.). Wir holen uns Hilfe aus der Familie, auf dem Arbeitsmarkt (Reinigungskraft, Saisonkräfte) und bei der Kinderbetreuung (zeitweise doppelte Kindergartenplätze). Wir nutzen die Möglichkeiten des Fernzugriffs auf Stall- und BHKW-Steuerung sowie auf die Betriebscomputer. So sind wir zumindest zeitweise abkömmlich. Die Digitalisierung der Landwirtschaft wird uns in Zukunft aber noch mehr Flexibilität und Freiräume bringen. Feldroboter, Automatisierungen auf dem Feld und im Stall, Fernerkundungen via Drohnen und Satelliten, die Nutzung von GPS-Daten werden dazu beitragen, dass unser Lebensentwurf umsetzbar bleibt.

Autor: Dr. Arlette Ostermeyer-Wiethaup, Landwirtschaftsbetrieb Ostermeyer in Calbe und stellvertretende Ausschussvorsitzende des DLG-Aussschusses Entwicklung ländlicher Räume