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Öko-Landbau: Herausforderungen bei Strukturen, Wegen, Preisbildung und Risikomanagement meistern

Die Marktstrukturen im Öko-Landbau haben sich historisch aus einem Nischenbereich entwickelt. Das führt dazu, dass sich auch heute noch die Marktteilnehmer mit verschiedenen Herausforderungen wie mangelnder Markttransparenz, kleinen Chargen, mangelnder Lieferzuverlässigkeit usw. befassen müssen. 

Für den Getreidebereich sind die Marktpreise der AMI, die wöchentlich erhoben werden, ein wichtiger Indikator für die Trends an diesen Märkten. Dabei ist zu beachten, dass sie abgeschlossene Verträge vieler Meldebetriebe abbilden, aber nicht jedes Detail eines jeden Vertrags (Region, Qualitätsvereinbarungen, Zahlungsziele usw.) berücksichtigt werden kann. So ist die Spanne der veröffentlichen Preise in der Regel groß.

Für die Marktteilnehmer ist es möglich, im Internet auf eine Öko-Zertifikate-Datei (BioC) zuzugreifen. Über diese ist dann leicht feststellbar, ob es sich um einen seriösen Geschäftspartner handelt.

Eine Digitalisierung im Bio-Getreidehandel findet man bisher kaum. Erste Ansätze sind aber bei der Online-Erfassung von Erntemengen zu sehen. 

Ackerbauern, die in die Bio-Produktion einsteigen, wird empfohlen, sich mit der Lagerung intensiv zu befassen. Dabei sind sowohl Lösungen auf dem eigenen Betrieb über eigene Silos wie auch gemeinschaftlich mit anderen Bio-Betrieben in gemeinsamen Siloanlagen (z.B. Übernahme eines alten Landhandelslagers) gut denkbar. Wichtig ist die eigene Ware mit ihren Qualitäten in den Händen zu halten und diese dann am Markt anzubieten.

In der Schweinefleischproduktion liegt der Bio-Anteil nur bei 0,5 %, aber die Nachfrage steigt jährlich um 20 %, d.h. sie wird sich in den nächsten 5 Jahren verdoppeln. Die Bio-Schweineproduktion in Deutschland deckt die heimische Nachfrage nicht. So wird viel Bio-Schweinefleisch aus Dänemark importiert. Als Verarbeiter im Bio-Schweinesegment ist man gefordert, sowohl mit den Lieferanten (Landwirten) als auch mit den Kunden (z.B. der Lebensmittelindustrie) langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe aufzubauen und zu pflegen. Ein Zeitrahmen von mindestens 5 Jahren ist dabei anzustreben. 

Preise für Bio-Schweine werden halbjährlich besprochen. In Dänemark leiten sich diese Preise aus den Preisen für konventionelle Tiere plus einem festen Öko-Zuschlag plus einem variablen Vermarktungszuschlag, der sich aus den erzielten Erlösen ableitet, ab. In Deutschland gibt es dieses Preisfindungssystem nicht in dieser Form. Dementsprechend ist ein Risikoabschlag notwendig.

Als schwierig für den Verbraucher wird die Vielzahl der Siegel (Anbauverbände, Bio-Siegel usw.) in Deutschland gesehen. Hier wäre es hilfreich, wenn sich ähnlich wie in Dänemark die Bio-Produkte mit nur einem Bio-Siegel auf dem Markt präsentieren würden.

Das Marktmotto für die Bio-Kartoffel lautet „der Drahtwurm macht den Markt“. Absortierte Bio-Kartoffeln mit Drahtwurmbefall und Schorf machen aktuell ca. 35 % der angedienten Mengen aus und werden mit 0 € vergütet. Die Anbauflächen für Bio-Kartoffeln liegen in Deutschland aktuell bei ca. 8.700 ha (1.000 ha Verarbeitungsware und 7.700 ha Speiseware).

Der Bio-Kartoffelmarkt ist sehr international geprägt. So haben die Österreicher ihren Bio-Kartoffelmarkt sehr gut im Griff. Sie beliefern ihren eigenen Markt zu hohen Preisen und setzen Übermengen zu fast jedem Preis ins Ausland z.B. nach Deutschland ab, um ihren Markt abzusichern. Auch die Ankündigung in 2016, dass die Spanier verstärkt Bio-Kartoffeln anbauen, hat in Deutschland dazu geführt, dass die Bio-Kartoffelpreise unter Druck gerieten, obwohl die deutsche Erntemenge klein war und noch keine spanische Bio-Kartoffel in deutschen LEH-Regalen gelandet war.

Die Bio-Kartoffelflächen sind in den letzten Jahren kaum gewachsen, da das Produktionsrisiko als zu hoch erachtet wurde. Zusätzliche Bio-Kartoffelflächen haben das Potenzial, den volatilen Bio-Kartoffelmarkt stark unter Druck zu setzen. Ein marktgerechtes Verhalten wird als Wunsch in den Raum gestellt.

Anbauer von Bio-Kartoffeln in Deutschland sollten auf alle Fälle in eigene Lagermöglichkeiten investieren und mit ihren Vermarktern den geplanten Anbau absprechen. Erzeugergemeinschaften der Bio-Kartoffelproduzenten kommt zusätzlich die Aufgabe zu, ihre Mitglieder über aktuelle Trends auf dem international aufgestellten Kartoffelmarkt zu informieren. Verbandsware (z.B. Bioland, Naturland) hat seine Position am Markt und ist ein Vorteil für die Bio-Kartoffel aus Deutschland.

Der Bio-Kartoffelmarkt lebt von dem persönlichen Kontakt zwischen den Marktpartnern. Ansätze für eine sinnvolle Digitalisierung in diesem Marktsegment werden aktuell nicht gesehen.

Das Thema „Regionalität“ bei Bio-Erzeugnissen wird als wichtig, jedoch in der Umsetzung als schwierig angesehen. Hauptgrund sind die regional und von Jahr zu Jahr stark schwankenden Erträge, die eine dauerhafte und gleichmäßige Belieferung aus einer Region sehr schwierig machen.

Die Verkaufswege für Bio-Produkte werden in der Zukunft vorrangig über den LEH und die Discounter laufen. „Dort verkaufen, wo die Menschen hingehen“ ist die einhellige Meinung der Experten auf dem Podium.

DLG-Ausschuss Öko-Landbau