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Die Zuckerrübe startet durch

Der Anbau von Zuckerrüben erfolgt seit 2017 ohne Quote und garantierten Mindestpreis, die Anbaufläche wurde in Deutschland auf über 400.000 ha ausgeweitet. Dadurch wird eine höhere Auslastung der Zuckerfabriken mit dem Ziel einer effizienteren Verarbeitung des Rohstoffs Rübe angestrebt. Darüber hinaus erfordert eine hohe Effizienz der Erzeugung von Zucker aus Rüben im Anbau einen hohen Zuckerertrag, beste technologische Qualität und niedrige Kosten.

Im internationalen Vergleich ist die Wettbewerbsfähigkeit der Erzeugung von Zucker aus Rüben in Europa gekennzeichnet durch hohe und kontinuierlich steigende Erträge, aber gegenüber Zuckerrohr auch höhere Kosten und Umweltstandards sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung. Die Ursachen der steigenden Zuckererträge sind züchterischer Fortschritt, optimales Anbaumanagement und "zuckerrübenfreundliches Wetter".

Der züchterische Fortschritt bedingt etwa die Hälfte des gesamten biologisch-technischen Fortschritts und wird nahezu ausschließlich über eine Erhöhung des Rübenertrages erreicht. Der Zuckerertrag wird kaum durch die Intensität des Anbaus (z. B. N-Düngung, Pflanzenschutz) beeinflusst. Optimales Management ist dagegen eher gekennzeichnet durch eine möglichst frühe Aussaat bei optimaler Bodenstruktur, eine zügige Jugendentwicklung mit frühem Bestandesschluss und durch die Senkung von Kosten für sämtliche Produktionsfaktoren.

Die Höhe des Zuckerertrages in einem Jahr wird in besonderer Weise durch die Vegetationslänge und die Witterung während der Vegetationsperiode beeinflusst. Ein warmes Frühjahr, milde Sommer mit ausreichend Niederschlag und ein warmer Herbst sind Voraussetzung für Höchsterträge. Es ist zu erwarten, dass der Trend hin zu höherem Zuckerertrag durch züchterischen Fortschritt weiter anhält. Der integrierte Pflanzenschutz hat beim Anbau von Zuckerrüben eine sehr hohe Bedeutung. Viele Krankheiten werden durch resistente/tolerante Sorten reguliert (z. B. Nematoden) oder sind alleinige Voraussetzung für einen rentablen Anbau (z. B. Rizomania).

Cercospora-Blatt-fleckenkrankheiten können durch eine Kombination aus resistenten/toleranten Sorten und gezielter Applikation von Fungiziden nach Schadensschwellen bekämpft werden. Durch Neonikotinoide in der Pillenhüllmasse des Saatgutes wird eine flächige Anwendung von Insektiziden weitestgehend vermieden.

Das Unkrautmanagement erfolgt durch eine mehrmalige Applikation verschiedener Wirkstoffe mit geringen Aufwandmengen beginnend im Keimblattstadium. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit der Resistenzbildung sehr gering. Durch intensive Resistenzzüchtung, wissensbasierte Entscheidungssysteme und gezieltes Resistenzmanagement, insbesondere bei Fungiziden, wird der integrierte Pflanzenschutz kontinuierlich weiter entwickelt.

Agrarpolitisches Ziel der zukünftigen Entwicklung der Pflanzenproduktion ist eine nachhaltige Produktivitätssteigerung. Dieses ganzheitliche Konzept fordert eine effizientere Nutzung aller Produktionsfaktoren entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neben Indikatoren zur Wettbewerbsfähigkeit, dem Anbau oder dem Pflanzenschutz steht auch die "sozioökonomische Effizienz" im Mittelpunkt.

Vor allem eine verstärkte Kommunikation für das, was auf dem Feld geschieht, ist Voraussetzung für eine bessere gesellschaftliche Wahrnehmung. Kommunikation kann stattfinden über zum Beispiel eine Berichterstattung im Parlament, wie sie im Pflanzenschutzgesetz verankert ist, intensive Verbandsarbeit, Einbindung von NGOs, medienwirksame Aufbereitung von Einzelthemen oder direkt im Feld. Voraussetzung für alle Maßnahmen ist ein hohes Maß an Transparenz für die gesamte Rohstoffproduktion Rübe im regionalen und nationalen Kontext.

Der Anbau von Zuckerrüben ist insgesamt gekennzeichnet durch einen hohen Grad an Vernetzung, hohe Forschungsintensität und effizienten Wissenstransfer in die Praxis.

 

 

Autoren: Helmut Bleckwenn (Vorsitzender Dachverband Norddt. Zuckerrübenanbauer e.V.), Jochen Fenner (Vorsitzender DLG-Ausschuss Zuckerrübe), Anne-Katrin Mahlein, (Institutsleiterin Institut für Zuckerrübenforschung), Bernward Märländer (Institutsleiter Institut für Zuckerrübenforschung)

Schweinehaltung: Herausforderungen 2018 annehmen!

Die Herausforderungen an die Schweinehalter nehmen auch im neuen Jahr nicht ab. Der Grund liegt darin, dass viele Themen aus der Vergangenheit noch nicht gelöst sind, bevor neue Themen hinzukommen. Gemäß der „Brüsseler Erklärung“ sollte am 01.01.2018 Schluss sein mit der Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung. Deutschland hat zwar noch ein weiteres Jahr Zeit, um mögliche Alternativen zu bewerten, allerdings ist nach wie vor kein Königsweg in Sicht, auf den sich die gesamte Branche einigen könnte. Ein Grund für das Treten auf der Stelle liegt darin, dass verschiedene Alternativen an die Grenze der Vermarktungsfähigkeit gestoßen sind. Von daher wird fieberhaft versucht, den sogenannten „4. Weg“ (Betäubung unter Lokalanästhesie) voranzutreiben. Dieser Weg steht den Schweinehaltern in einigen Nachbarländern wie z.B. Schweden oder Dänemark bereits offen und wird als Möglichkeit vor allem für Betriebe in kleinstrukturierten Regionen gesehen. Einige Tierschützer und Vertreter aus der Tierärzteschaft haben sich aus Tierschutzgründen aber bereits gegen diesen Weg ausgesprochen. Fakt ist: Ferkel aus Deutschland würden massiv an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importferkeln verlieren, wenn in anderen Ländern ganz andere Lösungen als in Deutschland möglich sind.

 

Nicht zuletzt ausgelöst durch das „Magdeburger Kastenstandurteil“ herrscht in Deutschland weiterhin große Unsicherheit dahingehend, wie Ställe für Sauen zukünftig geplant werden können um die Anforderungen an Tier- und Umweltschutz einerseits sowie die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit andererseits zu gewährleisten. Ein Workshop des DLG-Ausschusses Schwein im November 2017 machte deutlich, dass betriebsindividuelle Lösungen gesucht werden und es vermutlich keine Konzepte von der Stange geben wird. Dies stellt auch die Stalleinrichter vor große Herausforderungen und man darf jetzt schon gespannt sein, welche Lösungen zur EuroTier 2018 in Hannover präsentiert werden.

Autor: Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, Fachgebiet Tierproduktion, Schwein

INFOSKASTEN FERKELKASTRATION

Zunächst aber sind die Schweinehalter aber nach Münster zur DLG-Wintertagung eingeladen, um am 21. Februar 2018 um 08:00 Uhr im Impulsforum „Ferkelerzeugung ohne Kastration und Kastenstand – Wo stehen wir und wie geht es weiter?“ mit den Referenten Dr. Frank Greshake (Schweinevermarktung Rheinland w.V.), Gereon Albers (Sauenhalter aus Niedersachsen), Dr. Xaver Sidler (Universität Zürich) und Dr. Jörg Bauer (Schweinehalter und Berater aus Hessen) Herausforderungen und Chancen zu diskutieren.
Das gesamte Programm der DLG-Wintertagung finden Sie hier