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Zufallstreffer Verteilgenauigkeit?

Präzisionspotenziale bei der Mineraldüngung nutzen

Wie sich Mineraldüngung noch präziser und damit wirtschaftlicher und umweltfreundlicher ausbringen lässt, war das Thema eines Impulsforums der DLG-Ausschüsse für Pflanzenernährung sowie für Technik in der Pflanzenproduktion. Für Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nord-West stand dieses Thema bislang nicht sehr im Vordergrund, obwohl es von eminenter Bedeutung ist. Seinen Einführungsvortrag beginnt er mit einer Luftbildaufnahme eines Getreidefeldes mit deutlich sichtbaren Streufehlern. „Wenn man solche Fehler sieht, ist Ertrag bereits verschenkt“, betont der Vorsitzende des DLG-Ausschusses für Pflanzenernährung.

Die neue Düngeverordnung stellt die Landwirte vor die neue Herausforderung, noch präziser in der Düngung zu werden. Wie sehr sich dies auszahlt, zeigt eine Kostenkalkulation für einen Schleuderstreuer. Die Düngermenge, die ein Streuer im Laufe seiner Lebensdauer verteilt, entspricht einem Vielfachen der Maschinenkosten. Damit der Schleuderstreuer nicht zu einer „Glücksschleudermaschine“ wird, muss eine Reihe von Faktoren erfüllt sein, die von der Qualität des Düngers und seiner Veränderung während der Lagerung über die Einstellung des Düngerstreuers bis zu Wartung und Pflege reichen.

Ulrich Lossie ist als Abteilungsleiter Agrartechnik, Pflanzenproduktion und Neue Energien bei der DEULA Nienburg dort unter anderem zuständig für Düngerstreuertests. Für ihn ist der Düngerstreuer eine Schlüsselmaschine im landwirtschaftlichen Betrieb, die große Aufmerksamkeit verdient. Er erinnert an die Verantwortung der Landwirte mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und Umwelt bei der Einstellung des Düngerstreuers. Es kommt darauf an, jede Einzelpflanze mit der richtigen Nährstoffmenge zu versorgen. Das erfordert einen kleinräumigeren Blick.

Die Landwirte sollten beim Düngerkauf die Qualitätsparameter der Mineraldünger exakt definieren und nur wenn diese passen, sich ein Angebot vom Handel geben lassen. Die Düngerqualität ist stark abhängig von den Herkünften. Je weiter entfernt der Dünger produziert wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er häufig umgeschlagen wurde. Durch Reibung der Körner und Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit verändert jeder Düngerumschlag das Produkt, was zulasten seiner Stabilität geht. Ein Düngerkorn mangelhafter Qualität kann beispielsweise beim Kontakt mit der Streuschaufel platzen, was  nicht nur eine veränderte  Flugbahn, sondern auch meist Staubentwicklung zur Folge hat. Harte Ware ist wichtig, um Staubentwicklung bei der Verteilung zu verhindern. Ein Kornhärtetester bei der Wareneingangskontrolle auf dem Betrieb kann hier Anhaltswerte liefern, ebenso ein Schüttelsieb zur Ermittlung der Korngrößenverteilung bei losem Schüttgut.

Neben der Düngerqualität ist die Einstellung der Maschine entscheidend für eine möglichst präzise Düngerverteilung. Untersuchungen im Rahmen der freiwilligen Düngerstreuerprüfung der DEULA Nienburg zeigen, dass zwei von drei Maschinen auf dem Prüfstand keine zufriedenstellende Querverteilung aufweisen. Fast jede Maschine bietet Optimierungspotenzial.

Sehr wichtige Werkzeuge für die Einstellung von Mineraldüngerstreuern sind Prüfschalen. Landwirten, denen dieses Verfahren zu aufwendig ist, sollte der betriebswirtschaftliche Verlust bewusst sein, den ein falsch eingestellter Streuer verursachen kann. Die Zwei-Punkt-Messung mit Prüfschalen reicht oft aus, besser ist aber, an mehr Punkten zu messen. Acht Schalen sollten es mindestens sein. Für die Grobjustierung können Gumminoppenmatten aus dem Baumarkt für einen ersten optischen Vergleich hilfreich sein. Auf dieser Basis kann anschließend der Mineraldüngerstreuer mithilfe von Prüfschalen schneller optimal eingestellt werden.

Arndt Kielhorn, Produktmanager Düngetechnik bei den Amazonen Werken, führt anschließend technische Lösungen auf, die für eine höhere Präzision bei der Düngerausbringung sorgen. Bei der Ausbringung von Mineraldüngern macht die Zentrifugalstreutechnik mit einem Anteil von rund 90 Prozent den mit Abstand größten Anteil aus, weshalb diese genauer betrachtet werden soll. Die zentrifugale Verteilung der Düngerkörner folgt dem einfachen Prinzip des Wurfes. Durch Anpassung des Abwurfwinkels lassen sich unterschiedliche Wurfweiten erzielen. Beim Zentrifugalstreuer wird dies mithilfe von Streuschaufeln realisiert, die auf Streuscheiben aufgebracht sind.

Für die Einstellung der Düngerstreuer können Streutabellen aufgrund unterschiedlicher Qualitäten und Inhomogenitäten des Düngers nur als Empfehlung dienen. Vergleiche zeigen, dass Einzel- und Mischdünger unterschiedlicher Herkünfte beim Einsatz einer Streutabelle teils starke Abweichungen im Streubild bei der Querverteilung aufweisen, obwohl sie auf dem Papier identische Produkte sind. Besonders problematisch aufgrund der Entmischung sind Mischdünger, deren Absatzmengen kontinuierlich steigen. Die Querverteilung der enthaltenen Einzeldünger kann inakzeptable Verteilungen aufweisen.

Die Steuerung der Querverteilung von Mineraldüngern erfolgt über die Einstellung der Maschine mithilfe von Einstellhilfen wie Streutabellen, Schüttelboxen etc. sowie über die Überprüfung des Streuers mit Prüfschalen. Mittlerweile gibt es eine einfachere Möglichkeit als Prüfschalen zur Ermittlung der Querverteilung. Spezifische Auffangmatten werden dabei im Feld in verschiedenen Positionen ausgelegt und die aufgefangenen Düngerkörner mithilfe einer Smartphone-App abfotografiert. Die Auswertung der Bilder auf dem Smartphone ergibt eine Empfehlung für die optimale Einstellung des Streuers.

Der nächste technische Schritt besteht darin, die Querverteilung nicht nur stichprobenartig im Feld, sondern permanent während der Fahrt zu ermitteln. Mittels Radartechnologie kann das Streubild kurz hinter den Streuscheiben während des Streuens erfasst und über eine Verstellung des Aufgabepunktes korrigiert werden. Der Einfluss von Wind kann jedoch allein mit dieser Technik nicht berücksichtigt werden. Erst in Verbindung mit einem Windsensor, der stetig die Windrichtung und -stärke misst, kann das Streubild durch Veränderung von Streuscheibendrehzahl oder Aufgabepunkt auch bei Wind optimiert werden.

Ein weiteres wichtiges Potenzial innerhalb der Fläche ist der Übergangsbereich der feldinneren Fahrgassenzone zur Vorgewendefahrgasse. Die GPS-gesteuerte Vorgewendeschaltung bietet hier große Einsparpotenziale. Bei großen Arbeitsbreiten kann mit Hilfe vieler Teilbreiten und ausgeklügelter Regelalgorithmen die Verteilgenauigkeit am Vorgewende weiter verbessert werden.

Ein sehr sensibler Bereich ist die Grenzzone des Feldes, in der weder über- noch unterdüngt werden sollte. Ziel sind möglichst steile Streuflanken am Rand. Hierfür gibt es ganz unterschiedliche Technologien im Markt.

Eine exakte teilflächenspezifische Düngung setzt voraus, dass die Ausbringmenge schnell geändert werden kann. Der Dosierschieber sollte innerhalb der Latenzzeit zwischen dem Empfang des GPS-Signals und dem Erreichen der Grenze zur nächsten Applikationszone die Ausbringmenge auf den neuen Wert eingestellt haben. Deshalb werden heute moderne Streuer mit schnelleren Aktoren ausgerüstet. Für eine bessere Anpassung an den unterschiedlichen Düngerbedarf quer zur Fahrtrichtung können heute die Ausbringmengen links und rechts unabhängig voneinander variiert werden. Als Fazit dieses Themenbereiches lässt sich sagen, dass die Zentrifugalstreutechnik die mit Abstand leistungsfähigste und kostengünstigste Verteiltechnik für Mineraldünger ist. Dabei verdient die Applikation höchste Aufmerksamkeit, um die gegebenen Potenziale heben zu können. Wichtigste Faktoren dafür sind die Düngerqualität, der Düngertransport, die Lagerung, die richtigen Streuereinstellungen und die stetige Kontrolle der Querverteilung, egal ob automatisierte oder manuelle Einstellung. Weitere wichtige Potenziale für Einsparungen liegen in der Optimierung des Grenzstreuens zur Verlustminimierung und der Teilbreitenschaltung. Erst wenn alle Faktoren für eine flächeneinheitlich sehr gute Verteilung beherrscht werden, macht es Sinn, über eine gezielte differenzierte Verteilung im Sinne des Precision Farming oder der teilflächenspezifischen Verteilung nachzudenken.

In der anschließenden Diskussion holte Moderator Dr. Klaus Erdle, Bereichsleiter Pflanzenproduktion und Außenwirtschaft am DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, noch die Meinung der Technikprofis zu pneumatischen Streuern ein. Diese bieten, so die Antwort, ein großes Potenzial und Vorteile hinsichtlich einer gleichmäßigen Breitenverteilung und der Verteilgenauigkeit beim Grenzstreuen. Wie andere Maschinen müssten Pneumatikstreuer aber auch richtig eingestellt und kontrolliert werden.

Schweinehaltung: Herausforderungen 2018 annehmen!

Die Herausforderungen an die Schweinehalter nehmen auch im neuen Jahr nicht ab. Der Grund liegt darin, dass viele Themen aus der Vergangenheit noch nicht gelöst sind, bevor neue Themen hinzukommen. Gemäß der „Brüsseler Erklärung“ sollte am 01.01.2018 Schluss sein mit der Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung. Deutschland hat zwar noch ein weiteres Jahr Zeit, um mögliche Alternativen zu bewerten, allerdings ist nach wie vor kein Königsweg in Sicht, auf den sich die gesamte Branche einigen könnte. Ein Grund für das Treten auf der Stelle liegt darin, dass verschiedene Alternativen an die Grenze der Vermarktungsfähigkeit gestoßen sind. Von daher wird fieberhaft versucht, den sogenannten „4. Weg“ (Betäubung unter Lokalanästhesie) voranzutreiben. Dieser Weg steht den Schweinehaltern in einigen Nachbarländern wie z.B. Schweden oder Dänemark bereits offen und wird als Möglichkeit vor allem für Betriebe in kleinstrukturierten Regionen gesehen. Einige Tierschützer und Vertreter aus der Tierärzteschaft haben sich aus Tierschutzgründen aber bereits gegen diesen Weg ausgesprochen. Fakt ist: Ferkel aus Deutschland würden massiv an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importferkeln verlieren, wenn in anderen Ländern ganz andere Lösungen als in Deutschland möglich sind.

 

Nicht zuletzt ausgelöst durch das „Magdeburger Kastenstandurteil“ herrscht in Deutschland weiterhin große Unsicherheit dahingehend, wie Ställe für Sauen zukünftig geplant werden können um die Anforderungen an Tier- und Umweltschutz einerseits sowie die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit andererseits zu gewährleisten. Ein Workshop des DLG-Ausschusses Schwein im November 2017 machte deutlich, dass betriebsindividuelle Lösungen gesucht werden und es vermutlich keine Konzepte von der Stange geben wird. Dies stellt auch die Stalleinrichter vor große Herausforderungen und man darf jetzt schon gespannt sein, welche Lösungen zur EuroTier 2018 in Hannover präsentiert werden.

Autor: Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, Fachgebiet Tierproduktion, Schwein

INFOSKASTEN FERKELKASTRATION

Zunächst aber sind die Schweinehalter aber nach Münster zur DLG-Wintertagung eingeladen, um am 21. Februar 2018 um 08:00 Uhr im Impulsforum „Ferkelerzeugung ohne Kastration und Kastenstand – Wo stehen wir und wie geht es weiter?“ mit den Referenten Dr. Frank Greshake (Schweinevermarktung Rheinland w.V.), Gereon Albers (Sauenhalter aus Niedersachsen), Dr. Xaver Sidler (Universität Zürich) und Dr. Jörg Bauer (Schweinehalter und Berater aus Hessen) Herausforderungen und Chancen zu diskutieren.
Das gesamte Programm der DLG-Wintertagung finden Sie hier