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Bio-Milch: Rechnet sich die Umstellung?

Während konventionell erzeugte Milch eine Berg- und Talfahrt der Preise durchlebt, ist der Ökomarkt relativ stabil. Lohnt sich der Einstieg in die Biomilcherzeugung? Gerhard Dorfner wägt Vor- und Nachteile ab.

Der Blick in die mehrjährigen Preisverläufe für Milch in Bayern, die grundsätzlich im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern in ihren Ausreißern gemäßigter ausfallen, zeigt ganz deutlich, dass sich der Ökomarkt vom konventionellen emanzipiert hat. Die wesentlich stärkere regionale bzw. nationale Ausrichtung der Vermarktung, das stabile, relativ preisunempfindliche Käuferverhalten und auch die Politik des Einzelhandels (LEH) haben in den letzten Jahren im Ökobereich zu relativ gleichbleibenden Marktverhältnissen geführt. Bisher hat offensichtlich das Mengenmanagement im Ökosektor gut funktioniert, wobei die aktuell stark steigenden Mengen ökologisch erzeugter Milch Fragen nach dem Absatz aufwerfen. 

Trotz der grundsätzlich positiven Marktlage gilt es, sich die Wettbewerbsfähigkeit ökologischer Milcherzeugung aus einzelbetrieblicher Sicht genauer zu betrachten. Ein Wechsel der Bewirtschaftungsform ist ein weitreichender Entschluss, der den gesamten Betrieb von der Außenwirtschaft bis zum Herdenmanagement verändert. Mit der Entscheidung für ökologischen Landbau geht der Betrieb ein schärferes Auflagenniveau ein. Es führt folglich kein Weg an einer individuellen Kalkulation und Bewertung der Konsequenzen vorbei. In der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit ist der alleinige Blick auf die Milchpreise zu kurzsichtig. Ökologische Milcherzeugung ist in der Regel deutlich weniger intensiv im Kraftfuttereinsatz und in der Milchleistung und hat größere Restriktionen in der Futterwirtschaft (Mineraldüngereinsatz, Pflanzenschutz etc.). Damit ergeben sich oft auch deutliche Veränderungen in der Fruchtfolge (Einbau von Kleegras, weniger Silomais), die den Nährstoffkreislauf dauerhaft verändern. Der Flächenbedarf je Kuh bzw. Großvieheinheit (GV) steigt erfahrungsgemäß an. Auch bei der Haltung (u. a. Auslauf oder Weide, Platz/Tier) und im Herdenmanagement (Antibiotikaeinsatz, Trockensteller etc.) beeinflussen Auflagen die Betriebsführung und Ökonomie.

Auf der Seite der Kosten sind die zusätzlichen Kontrollen bzw. die Mitgliedschaft in einem ökologischen Anbauverband zu nennen. Speziell die Kontrollen beinhalten noch einen weiteren, wichtigen Aspekt: Manche Betriebsleiter wollen nicht die ohnehin bestehenden vielfältigen Aufzeichnungspflichten und Kontrollen (u. a. QM, Cross Compliance, Fachrecht) um die ökologischen erweitern. Insofern ist die Entscheidung für ökologische Landwirtschaft nicht allein eine wirtschaftliche Überlegung, sondern sie sollte mit Überzeugung getroffen und nicht bei ersten Schwierigkeiten infrage gestellt werden. 

Grafik 1: Preisvergleich ökologisch und konventionell erzeugte Milch

Gemessen am Marktanteil ist Ökomilch immer noch eine Nische in Deutschland. Mit einer erwarteten Menge von rund 1 Mrd. kg in 2018 kratzt sie an der Marke von 3 % Marktanteil, allerdings mit Wachstumsschritten im zweistelligen Bereich. Die belegen die große Dynamik in diesem Segment. Das steigende breite Interesse der Milchviehhalter an der ökologischen Erzeugung ist zum großen Teil mit der Milchpreismisere 2015/16 erklärbar. Dramatisch sinkende Preise im konventionellen Bereich und hohe stabile Ökomilchpreise ließen den Abstand in Bayern 2016 auf über 20 Ct/kg (brutto) ansteigen – gleichzeitig zahlten die schwächsten Milchkäufer für konventionelle Milch kaum über 20 Ct/kg (Grafik 1). Seitdem haben sich die Erzeugerpreise für konventionelle Milch bis Ende 2017 zwar wieder deutlich erholt, und der Preisabstand wurde kleiner. Zurzeit beträgt der Vorsprung in Bayern rund 15 Ct/kg (brutto). Dennoch hat sich die Idee, eventuell umzustellen, in vielen Köpfen entwickelt. 

Der Blick in die mehrjährigen Preisverläufe für Milch in Bayern, die grundsätzlich im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern in ihren Ausreißern gemäßigter ausfallen, zeigt ganz deutlich, dass sich der Ökomarkt vom konventionellen emanzipiert hat. Die wesentlich stärkere regionale bzw. nationale Ausrichtung der Vermarktung, das stabile, relativ preisunempfindliche Käuferverhalten und auch die Politik des Einzelhandels (LEH) haben in den letzten Jahren im Ökobereich zu relativ gleichbleibenden Marktverhältnissen geführt. Bisher hat offensichtlich das Mengenmanagement im Ökosektor gut funktioniert, wobei die aktuell stark steigenden Mengen ökologisch erzeugter Milch Fragen nach dem Absatz aufwerfen. 

Trotz der grundsätzlich positiven Marktlage gilt es, sich die Wettbewerbsfähigkeit ökologischer Milcherzeugung aus einzelbetrieblicher Sicht genauer zu betrachten. Ein Wechsel der Bewirtschaftungsform ist ein weitreichender Entschluss, der den gesamten Betrieb von der Außenwirtschaft bis zum Herdenmanagement verändert. Mit der Entscheidung für ökologischen Landbau geht der Betrieb ein schärferes Auflagenniveau ein. Es führt folglich kein Weg an einer individuellen Kalkulation und Bewertung der Konsequenzen vorbei. In der Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit ist der alleinige Blick auf die Milchpreise zu kurzsichtig. Ökologische Milcherzeugung ist in der Regel deutlich weniger intensiv im Kraftfuttereinsatz und in der Milchleistung und hat größere Restriktionen in der Futterwirtschaft (Mineraldüngereinsatz, Pflanzenschutz etc.). Damit ergeben sich oft auch deutliche Veränderungen in der Fruchtfolge (Einbau von Kleegras, weniger Silomais), die den Nährstoffkreislauf dauerhaft verändern. Der Flächenbedarf je Kuh bzw. Großvieheinheit (GV) steigt erfahrungsgemäß an. Auch bei der Haltung (u. a. Auslauf oder Weide, Platz/Tier) und im Herdenmanagement (Antibiotikaeinsatz, Trockensteller etc.) beeinflussen Auflagen die Betriebsführung und Ökonomie. Auf der Seite der Kosten sind die zusätzlichen Kontrollen bzw. die Mitgliedschaft in einem ökologischen Anbauverband zu nennen. Speziell die Kontrollen beinhalten noch einen weiteren, wichtigen Aspekt: Manche Betriebsleiter wollen nicht die ohnehin bestehenden vielfältigen Aufzeichnungspflichten und Kontrollen (u. a. QM, Cross Compliance, Fachrecht) um die ökologischen erweitern. Insofern ist die Entscheidung für ökologische Landwirtschaft nicht allein eine wirtschaftliche Überlegung, sondern sie sollte mit Überzeugung getroffen und nicht bei ersten Schwierigkeiten infrage gestellt werden. 

Die meisten haben offensichtlich richtig entschieden

Für die meisten Betriebe war die Entscheidung für die Umstellung auf Biomilch aus ökonomischer Sicht die richtige. Das zeigt sich in der mehrjährigen Sicht auf den »Gewinnindex« in Grafik 2. In den vergangenen vier Jahren konnten Ökobetriebe ihre Gewinne deutlich erhöhen, nachdem bis 2014 die relative Wettbewerbskraft eher schwach war. Der in diesen Jahren florierende Weltmarkt für Massenmilchprodukte (Pulver, Butter) begünstigte die konventionelle Schiene und erschwerte die Preisdifferenzierung. 2017/18 kann in beiden Betriebsformen erstmals wieder von zufriedenstellenden Gewinnen gesprochen werden. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die länderspezifischen Ökoprämien der zweiten Säule in der Milcherzeugung eine wesentliche Rolle spielen. Der Erfolg von Bio ist damit nach wie vor nur als eine Kombination aus Vermarktungsvorteilen und staatlicher Unterstützung zu sehen. Ein höherer Stützungsgrad bedeutet aber auch eine höhere Abhängigkeit vom Staat. Wer sich mit den Ideen und mit dem System des Ökolandbaus anfreunden kann, für den bleiben aber die sichere Vermarktung und der gezahlte Preisaufschlag die entscheidenden Punkte.

Grafik 2: Wie haben sich die Gewinne in bayerischen Milchviehbetrieben entwickelt?

Weniger als halbe konventionelle Erträge im Bio-Getreidebau. Eine erste Umstellungswelle von Marktfruchtbetrieben hat es im Norden bereits Ende der 80er Jahre gegeben. Auf die natürliche Stickstoffdynamik der Böden in dieser Region zurückverwiesen, lieferten die Getreidefelder aber keine 50 % des Ertrages wie mit Kalkammonsalpeter. Genau genommen wird »bio« in Schleswig-Holstein gar nicht zwingend weniger geerntet als in anderen Regionen Deutschlands. Das »Problem« sind eher die immens hohen Erträge der konventionellen Alternative – solange die funktioniert! Je höher das konventionelle Ertragsniveau, um so geringer sind die Wettbewerbschancen der Bio-Bauern. Bei geringer Produktionsintensität reizt eine einheitliche Bio-Prämie zudem stärker zur Umstellung an als auf Intensivstandorten. Schon früh erkannten norddeutsche Bio-Ackerbauern eine Besonderheit ihres Klimas, die in Süddeutschland offensichtlich weniger erfolgsbegrenzend wirkt. Die norddeutschen Winter sind mild und feucht. Mobilisiert man Vorfrucht-Stickstoff zur falschen Zeit, so droht über Winter Verlust. Eine bundesweite Studie belegt dies durch betriebliche Stickstoff-Bilanzen (Übersicht 1). 

Wer sich fragt, ob der ökologische Landbau einzelbetrieblich eine Chance bietet, der muss die Eigenheiten seines Standortes, die Betriebsstruktur und die bisher dominanten Kulturen im Blick haben. Die Faktorkombination aus schweren, wechselhaften Böden, einem nordisch- maritimen Klima und einer Spezialisierung auf Druschfrüchte mit Schwerpunkt Getreide vereint in diesem Zusammenhang gleich mehrere »Negativfaktoren « mit Blick auf eine Umstellung: 

  • Faktor Boden: Schweres Land hat eine träge Stickstoffdynamik. 
  • Faktor Klima: Das nordisch-maritime Klima verläuft in seiner Stickstoffdynamik asynchron zum Bedarf von Getreide: Hohe Herbst- und Winterniederschläge bergen die Gefahr von Verlusten und verschlechtern die Bodenstruktur. Geringe Frühsommerniederschläge im Mai führen zu geringer Mineralisierungstätigkeit (Übersicht 2). 
  • Faktor Pflanze: Getreide hat im Vergleich zu Blattfrüchten (Mais, Rüben, Kartoffeln) eine im Jahr frühere und steilere Stickstoff-Aufnahmekurve. Wird der Bedarf zu diesem Zeitpunkt nicht gedeckt, bleibt der Erfolg aus. Das konventionelle System füllt die träge Krume derweil mit Mineralstickstoff auf und schöpft das nötige Wasser aus dem Untergrund. 

Ähnlich weit auseinander wie in Norddeutschland sind die Getreideerträge »bio« zu »konventionell« wohl auf kaum einem anderen Standort der Welt. Viele Regionen sind durch Trockenheit in der Leistung begrenzt – dann kann das konventionelle System seinen Vorteil weniger ausspielen (Schwarzerde-Gebiete in Deutschland und der Ukraine). Tiefgründige Lössböden mit höherer Feldkapazität als Winterniederschläge in der Region speichern abrufbar nennenswerte Nmin- Mengen (z. B. Wetterau). Süddeutsche Standorte erwärmen sich schnell. Mit der Wärme kommen auch die Niederschläge und führen bereits im Mai zu reger Mineralisierungstätigkeit (Niederbayern). 

Ökobetriebe können mithalten. In einer Modellrechnung für Fleckvieh bestätigt der Deckungsbeitrag (DB) als erster Gradmesser des Erfolgs, dass der durchschnittliche Ökobetrieb mit dem durchschnittlichen konventionellen Betrieb mehr als gut mithalten kann (Übersicht 1). Dies gilt auch für die letzten 12 Monate, in der sich die Wirtschaftlichkeit konventioneller Erzeugung nach dem großen Tief gut entwickelte. Der Leistungsabstand von etwa 1 400 kg Milch/Kuh und Jahr ist für viele Betriebe ein sehr realistischer Wert. Dabei wird bei steigendem Leistungsniveau vor allem die Kostenfrage ökologischen Kraftfutters immer bedeutsamer. Im Musterbeispiel des LfL-Deckungsbeitrag-Rechners hat die bayerische Öko-Kuh im fünfjährigen Vergleich über 400 € Vorsprung beim Deckungsbeitrag II, in den letzten zwölf Monaten schmolz der Vorsprung auf rund 130 € zusammen. 

Übersicht 1: Was ist wirtschaftlicher? (Fleckvieh, Bayern)

Was ist wirtschaftlicher?

(Fleckvieh, Bayern)

Für den konventionell wirtschaftenden Betrieb stellen sich einige Fragen über den Deckungsbeitrag hinaus, die je nach Situation mehr oder minder hohe Kosten infolge der Umstellung verursachen:

  • Welche Baumaßnahmen mit welchen Kosten sind durchzuführen (Laufhof, Erhöhen der verfügbaren Fläche je Kuh etc.)?
  • Mit welchen Kosten ist der höhere Futterflächenbedarf verbunden, oder muss ich Futter zukaufen?
  • Soll die verkaufte Milchmenge trotz geringerer Milchleistung gleich bleiben? Wenn ja, muss der Betrieb nach der Umstellung mehr Kühe halten und in Kuhplätze investieren. Damit verstärken sich die Konsequenzen aus der ersten und zweiten Frage bezüglich Futterfläche und Investitionen. Zusätzlich erhöht sich bei einer Aufstockung in der Regel auch der Arbeitszeitaufwand im Betrieb.
  • Wie soll die Zeit der Umstellung mit höheren Kosten, aber konventioneller Vermarktung überbrückt werden? Mit Beantwortung dieser Punkte entscheidet sich im Einzelfall, was von dem höheren DB am Ende noch für einen höheren (Unternehmer-) Gewinn übrig bleibt. Dies ist auch der entscheidende Punkt der Entwicklungsfähigkeit vor allem kleiner Betriebe bezüglich Fläche und Arbeitsorganisation. Grundsätzlich gilt: 
  • Je höher das Leistungsniveau und die Intensität in der Ausgangssituation, umso größer sind die umstellungsbedingten Kosten und Veränderungen. Das Leistungsniveau betrifft sowohl die tierischen Leistungen (Milchleistung, Zunahmen) als auch den Input (Mineraldünger, Viehbesatz) bzw. Erträge in der Außenwirtschaft.
  • Je mehr sich die betriebliche Strategie bisher bereits an hoher Grundfutterleistung auf Basis von Grünland und Feldfutterbau, sehr effektivem Kraftfuttereinsatz sowie hohem Platzangebot für das Tier (Laufhof, Vermeidung von Überbelegung) orientiert hat, umso kleiner sind die Umstellungskosten. 

Extreme Unterschiede im betrieblichen Erfolg gibt es innerhalb der Gruppe der Ökobetriebe genauso wie bei konventionellen Erzeugern. In Grafik 3 wird dies offenkundig: Bei Betriebsgrößen von 60 bis 70 Kühen liegen die Gewinne zwischen 22 000 bis über 100 000 €. Insofern verbietet sich eine pauschale Bewertung von Bio als Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Im guten Jahr 2016/17 verbuchte das untere Viertel der Betriebe mit einem Auszahlungspreis von über 51 Ct/kg Milch Eigenkapitalverluste, das obere Viertel erwirtschaftete eine Eigenkapitalbildung von 49 000 €. Noch größer waren die Unterschiede in der Finanzkraft (Cashflow), die 85 000 € überschritten. Erfolg macht sich sowohl in der konventionellen als auch in der ökologischen Milcherzeugung also an der Betriebsführung fest. Kostenoptimierung im Stall sowie hohe Arbeits- und Flächeneffizienz sind unabhängig von der Bewirtschaftungsform wichtige Schlüssel. Auswertungen des LKV zeigen, dass allein in den Bereichen Milchleistung (bzw. Grundfutterleistung) und Tiergesundheit (Zellgehalt der Milch, Verlustrate, Nutzungsdauer) in vielen Betrieben großes Potential steckt. Wer hier seine Hausaufgaben gemacht hat, erleichtert sich auch den Umstieg auf die Biomilcherzeugung. 

Als notwendigen Preisaufschlag ergeben sich rund 14 Ct/kg in einer Modellrechnung unter Vollkostenbedingungen im Neubau. Darin eingepreist sind u. a. der Leistungsrückgang, die höheren Standards bzw. Baukosten oder die erhöhten Grobund Kraftfutterkosten. Wenn Betriebe Ökoprämien nutzen und die Ausgangsvoraussetzungen günstig sind, kann der Wert geringer ausfallen. Allerdings sollte seriös und mit Risikopuffer gerechnet werden. Dies gilt auch für den erwarteten langfristigen Preisaufschlag in den Investitionskonzepten. Im langjährigen Mittel scheinen 10 bis 15 Ct/kg (brutto) realistisch, wenn sich keine Marktverwerfungen ergeben. 

Wie wichtig verlässliche und dauerhafte Marktsignale von Seiten des LEH bzw. der Molkereien sind, um den Schritt zur Ökomilch rentabel und mit gutem (ökonomischen) Gewissen gehen zu können, verdeutlichen der mehrjährige Rückblick und die Modellrechnung. Ein wichtiger Zusatzaspekt: Der Ökomarkt ist in der Regel deutlich weniger sprunghaft als der konventionelle – aus Sicht der Liquidität kann dies ein großes Plus bedeuten und den Druck verringern, Finanzpuffer für Marktkrisen wie 2015/16 aufbauen zu müssen. 

Grafik 2: Wie haben sich die Gewinne in bayerischen Milchviehbetrieben entwickelt?

kontra Ökomilch

  • Bisher Hochleistungsstrategie (Leistung, antibiotischer Trockensteller, Fruchtbarkeitsprogramme u. a.)
  • Flächen- bzw. Futterknappheit/ hohe Flächenkosten
  • Auslauf/Beweidung schwer im Betrieb umsetzbar (Anbindehaltung!)
  • Futtergrundlagen und -qualitäten mit geringer Grundfutterleistung
  • Hohe Bedeutung konventionellen Ackerbaus mit Intensivfrüchten
  • Konventionelle Vermarktung der sonstigen Erzeugnisse (Altkuh, Kälber, Zuchtvieh etc. )

pro Ökomilch

  • Leistungsniveau gering bis mittel
  • Hohe Grundfutterleistung
  • Möglichkeit des Weidebetriebs
  • Hohe Tiergesundheit (speziell Eutergesundheit)
  • Nachhaltige Bio-Molkereistrategie mit entsprechender Nachfrage
  • Möglichkeit zusätzlich höherer Bio-Wertschöpfung bei Nebenerlösen
  • Identifikation mit Zielsetzung des ökologischen Landbaus
  • Nutzen Ökoförderung
  • Greening-Auflagen automatisch erfüllt

Fazit. Der Einstieg in die ökologische Milcherzeugung ist eine ernstzunehmende Perspektive, wenn einige Grundvoraussetzungen erfüllt sind (Übersicht), der Marktpartner verlässliche Absatz- und Preisperspektiven bietet und vor allem persönliches Interesse und die Bereitschaft zu betrieblichen Veränderungen (und Einschränkungen) gegeben ist. Haupthemmnisse können die notwendigen Futterflächen und baulichen Lösungen für kleinere Strukturen (vorhandener Anbindestall) sein. Die aktuelle Futterknappheit vieler Betriebe zeigt, wie wichtig in sämtlichen Betriebsstrategien die Beurteilung möglicher Risiken ist. Mit der Entscheidung für Bio nimmt man bewusst Einschränkungen in Kauf, die auch die Flexibilität in schwierigen Zeiten eingrenzt.

Die aktuellen Preisvorteile von knapp 15 Ct/kg sind nach heutiger Einschätzung eine etwas zu optimistische Kalkulationsgrundlage. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass Ökomilch in der Kombination aus höheren Preisen und Fördermitteln in der zweiten Säule (Ökoprämien der Länder, investive Förderung) gut mithalten konnte. Die großen ökonomischen Erfolgsunterschiede zwischen den Biobetrieben sind aber ein deutliches Zeichen, vor der Entscheidung den eigenen Betrieb mit seinen Stärken und Schwächen genau zu analysieren, um die (erwartete) Steigerung des Betriebserfolgs realistisch einzuschätzen.

Dr. Gerhard Dorfner, Institut für Agrarökonomie, Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern, München