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Flurbereinigung – wie bewerte ich das, und bin ich angemessen abgefunden?

Jeder von einer Flurbereinigung betroffene Grundeigentümer sollte sich mit den gemeinen und innerbetrieblichen Werten seiner Einlageflächen und den entsprechenden Werten seiner ihm angebotenen Abfindung rechtzeitig auseinandersetzen.

Es gilt der Grundsatz:

Niemand hat im Rahmen der Flurbereinigung einen Anspruch auf eine Verbesserung seiner Vermögenslage und gesamtheitlichen innerbetrieblichen Situation. Allerdings muss auch niemand – über den im Verfahren beschlossenen Flächenabzug hinaus – einen gesamtheitlichen Nachteil seiner Vermögenslage und/oder innerbetrieblichen Situation tolerieren.

Dabei ist wichtig, dass nicht einzelne Flurstücke der Einlage oder der Abfindung verglichen werden, sondern stets die Gesamtheit der Einlageflächen und der Abfindungsflächen. Niemand hat zudem einen Anspruch auf eine Abfindung in einer von ihm favorisierten Lage.

Bereits bei der Abgrenzung des Flurbereinigungsgebietes sollte der Grundeigentümer darauf drängen, dass Grundstücke mit einem besonderen Wert aus dem Verfahren ausgegrenzt werden. Das gilt insbesondere für Grundstücke mit einem hohen innerbetrieblichen Wert, der oft für Außenstehende nicht immer unmittelbar ersichtlich ist. Dazu können stallnahe Weideflächen, zukünftige Stallbaustandorte, potenzielle Windenergiestandorte und Flächen gehören, die für den Anbau von Sonderkulturen und/oder zum Zweck der Direktvermarktung besonders geeignet sind. Die Aufzählung ist nicht abschließend.

Die Teilnehmergemeinschaft bestimmt das Wertermittlungsverfahren. Regelmäßig basiert die Wertermittlung überwiegend auf der vorhandenen landwirtschaftlichen Bodenschätzung (Ackerzahlen und Grünlandzahlen). Orts- und sachkundige Grundeigentümer sollten sich hier einbringen, wenn sie beispielsweise der Meinung sind, dass bestimmte Lagen in der Gemarkung besondere Vorteile oder besondere Nachteile aufweisen, die mit besonderen Wertzuschlägen oder besonderen Wertabschlägen auf die Ackerzahl oder Grünlandzahl berücksichtigt werden sollten. Bei Grünlandflächen können Parameter wie Trittfestigkeit, Wasseranschluss und Eignung für die Weidetierhaltung eine besondere Bedeutung haben. Auch ein besonderes Wildschadensrisiko in besonderen Lagen, Beregnungsmöglichkeiten, Beschattung an Waldrändern und Ertragsdepressionen auf ehemaligen Baustreifen können – nur beispielsweise – von Belang sein.

Gelegentlich werden Grundeigentümer im Rahmen der vorläufigen Besitzeinweisung mit der Vermutung konfrontiert, dass hinsichtlich der veränderten Flächenzuschnitte und der Entfernungen von der Hofstelle nicht die gewünschten Ziele der Flurbereinigung für sie erreicht wurden. In diesen Fällen kann eine rechnerische Überprüfung durch landwirtschaftliche Sachverständige mittels etablierter Simulationsmodelle (HLBS DefoTax und HLBS MehrwegeTax) Gewissheit und eine belastbare Grundlage für einen Widerspruch verschaffen. 

Weitere Informationen gab es im Impulsforum „Flurbereinigung: Eigentum schützen – Eigentum gestalten“ am 20. Februar 2019 um 13:30 Uhr auf der DLG-Wintertagung in Hannover.

Autor: Dr. Jan-Christoph Friedrichs, BB Göttingen GmbH