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Zu Beginn stand die Grundsatzfrage, ob bzw. in welcher Form die Landwirte ihre Betriebe in den kommenden fünf Jahren weiterbewirtschaften wollen.

Dreiviertel der teilnehmenden Landwirte werden auch in fünf Jahren den Betrieb im Haupterwerb bewirtschaften.

Knapp ein Fünftel der teilnehmenden Landwirte wollen den Betrieb im Nebenwerb führen. Der Nebenerwerb ist somit eine wichtige Option in der Betriebsführung.

Und 7 Prozent wollen den Betrieb in den nächsten fünf Jahren auslaufen lassen. Diese „Ausstiegsquote“ liegt somit über den 4-5 Prozent, die jährlich aus der Landwirtschaft ausscheiden.

Wirtschaftlicher Rahmen, gesellschaftliche Anforderungen und Regulierungen führen dazu, dass Landwirte einzelne Betriebszweige auf den Prüfstand stellen. Für drei Viertel der teilnehmenden DLG-Mitglieder ist dies kein Thema - sie werden ihren Betrieb auch in fünf Jahren mit den gleichen Betriebszweigen bewirtschaften.

Die Fortführung der bisher praktizierten Erzeugung ist damit die mit Abstand wichtigste Strategie.

Aber auch die Ansätze in neue Betriebszweige einzusteigen oder zu wachsen spielen mit jeweils 46 Prozent eine wichtige Rolle in der Betriebsentwicklung. Für knapp ein Fünftel der teilnehmenden Landwirte kommt in den kommenden fünf Jahren die Umstellung auf Ökolandbau in Frage.

Weniger als halbe konventionelle Erträge im Bio-Getreidebau. Eine erste Umstellungswelle von Marktfruchtbetrieben hat es im Norden bereits Ende der 80er Jahre gegeben. Auf die natürliche Stickstoffdynamik der Böden in dieser Region zurückverwiesen, lieferten die Getreidefelder aber keine 50 % des Ertrages wie mit Kalkammonsalpeter. Genau genommen wird »bio« in Schleswig-Holstein gar nicht zwingend weniger geerntet als in anderen Regionen Deutschlands. Das »Problem« sind eher die immens hohen Erträge der konventionellen Alternative – solange die funktioniert! Je höher das konventionelle Ertragsniveau, um so geringer sind die Wettbewerbschancen der Bio-Bauern. Bei geringer Produktionsintensität reizt eine einheitliche Bio-Prämie zudem stärker zur Umstellung an als auf Intensivstandorten. Schon früh erkannten norddeutsche Bio-Ackerbauern eine Besonderheit ihres Klimas, die in Süddeutschland offensichtlich weniger erfolgsbegrenzend wirkt. Die norddeutschen Winter sind mild und feucht. Mobilisiert man Vorfrucht-Stickstoff zur falschen Zeit, so droht über Winter Verlust. Eine bundesweite Studie belegt dies durch betriebliche Stickstoff-Bilanzen (Übersicht 1). 

Wer sich fragt, ob der ökologische Landbau einzelbetrieblich eine Chance bietet, der muss die Eigenheiten seines Standortes, die Betriebsstruktur und die bisher dominanten Kulturen im Blick haben. Die Faktorkombination aus schweren, wechselhaften Böden, einem nordisch- maritimen Klima und einer Spezialisierung auf Druschfrüchte mit Schwerpunkt Getreide vereint in diesem Zusammenhang gleich mehrere »Negativfaktoren « mit Blick auf eine Umstellung: 

  • Faktor Boden: Schweres Land hat eine träge Stickstoffdynamik. 
  • Faktor Klima: Das nordisch-maritime Klima verläuft in seiner Stickstoffdynamik asynchron zum Bedarf von Getreide: Hohe Herbst- und Winterniederschläge bergen die Gefahr von Verlusten und verschlechtern die Bodenstruktur. Geringe Frühsommerniederschläge im Mai führen zu geringer Mineralisierungstätigkeit (Übersicht 2). 
  • Faktor Pflanze: Getreide hat im Vergleich zu Blattfrüchten (Mais, Rüben, Kartoffeln) eine im Jahr frühere und steilere Stickstoff-Aufnahmekurve. Wird der Bedarf zu diesem Zeitpunkt nicht gedeckt, bleibt der Erfolg aus. Das konventionelle System füllt die träge Krume derweil mit Mineralstickstoff auf und schöpft das nötige Wasser aus dem Untergrund. 

Ähnlich weit auseinander wie in Norddeutschland sind die Getreideerträge »bio« zu »konventionell« wohl auf kaum einem anderen Standort der Welt. Viele Regionen sind durch Trockenheit in der Leistung begrenzt – dann kann das konventionelle System seinen Vorteil weniger ausspielen (Schwarzerde-Gebiete in Deutschland und der Ukraine). Tiefgründige Lössböden mit höherer Feldkapazität als Winterniederschläge in der Region speichern abrufbar nennenswerte Nmin- Mengen (z. B. Wetterau). Süddeutsche Standorte erwärmen sich schnell. Mit der Wärme kommen auch die Niederschläge und führen bereits im Mai zu reger Mineralisierungstätigkeit (Niederbayern). 

Das Jahr 2018 war geprägt durch regional lang anhaltende Trockenheit, die zu teils hohen Ertragseinbußen im Acker- und Futterbau führte. Die Landwirte mussten deshalb sinkende Unternehmensergebnisse hinnehmen und die wirtschaftliche Stabilität rückt in den Fokus.
So stellt sich die Frage, wie lange die Betriebe mit dem Niveau des erreichten Betriebsergebnis des Jahres 2018 weiter bestehen würden.

Rund ein Viertel der antwortenden Betriebsleiter sähen ihren Betrieb als gefährdet an und würden weniger als drei Jahre fortbestehen können.

36 Prozent sehen einen Zeitraum von 3-5 Jahren und 40 Prozent der teilnehmenden Betriebe könnten auch mit dem 2018er Ergebnisnvieau langfristig weiterbestehen.

Für den konventionell wirtschaftenden Betrieb stellen sich einige Fragen über den Deckungsbeitrag hinaus, die je nach Situation mehr oder minder hohe Kosten infolge der Umstellung verursachen:

  • Welche Baumaßnahmen mit welchen Kosten sind durchzuführen (Laufhof, Erhöhen der verfügbaren Fläche je Kuh etc.)?
  • Mit welchen Kosten ist der höhere Futterflächenbedarf verbunden, oder muss ich Futter zukaufen?
  • Soll die verkaufte Milchmenge trotz geringerer Milchleistung gleich bleiben? Wenn ja, muss der Betrieb nach der Umstellung mehr Kühe halten und in Kuhplätze investieren. Damit verstärken sich die Konsequenzen aus der ersten und zweiten Frage bezüglich Futterfläche und Investitionen. Zusätzlich erhöht sich bei einer Aufstockung in der Regel auch der Arbeitszeitaufwand im Betrieb.
  • Wie soll die Zeit der Umstellung mit höheren Kosten, aber konventioneller Vermarktung überbrückt werden? Mit Beantwortung dieser Punkte entscheidet sich im Einzelfall, was von dem höheren DB am Ende noch für einen höheren (Unternehmer-) Gewinn übrig bleibt. Dies ist auch der entscheidende Punkt der Entwicklungsfähigkeit vor allem kleiner Betriebe bezüglich Fläche und Arbeitsorganisation. Grundsätzlich gilt: 
  • Je höher das Leistungsniveau und die Intensität in der Ausgangssituation, umso größer sind die umstellungsbedingten Kosten und Veränderungen. Das Leistungsniveau betrifft sowohl die tierischen Leistungen (Milchleistung, Zunahmen) als auch den Input (Mineraldünger, Viehbesatz) bzw. Erträge in der Außenwirtschaft.
  • Je mehr sich die betriebliche Strategie bisher bereits an hoher Grundfutterleistung auf Basis von Grünland und Feldfutterbau, sehr effektivem Kraftfuttereinsatz sowie hohem Platzangebot für das Tier (Laufhof, Vermeidung von Überbelegung) orientiert hat, umso kleiner sind die Umstellungskosten. 

Anpassungen des Pflanzenschutzes im Ackerbau sind das derzeitige „Megathema“ in der Marktfruchterzeugung. Ungräser sind zunehmend resistent gegen Wirkstoffe, deren Anzahl zunehmend eingeschränkt ist. Dies müsse zu Anpassungen führen, bspw. zu mehr mechanischer Unkrautbekämpfung.

Jeder zweite der teilnehmenden Landwirte will in den nächsten fünf Jahren den Pflanzenschutz anpassen und Unkräuter mehr mechanisch bekämpfen als derzeit. 

Doch auch der Anteil derer, die ihre Pflanzenschutzstrategie nicht anpassen ist mit 46 Prozent hoch. 

Zweigeteilt ist auch das Bild bei der Frage nach der künftigen Fruchtfolgegestaltung.

Denn 53 Prozent der teilnehmenden Landwirte geben an, in den kommenden fünf Jahren die Fruchtfolge zu erweitern, während 46 Prozent der teilnehmenden keine Fruchtfolgeerweiterung vornehmen wollen.

In der kontroversen Debatte um die Landwirtschaft steht die Tierhaltung oft im Mittelpunkt. Den Tierhaltern stellen sich deshalb mehr denn je Fragen nach den Zukunftsperspektiven.

Gefragt nach der weiteren Entwicklung der Tierbestände im Betrieb wollen 58 Prozent den Bestand stabil halten.

Knapp jeder fünfte Teilnehmer gibt an, den Bestand senken zu wollen. Knapp ein Viertel will die Bestände erweitern – ein im aktuellen Umfeld überraschender Wert. Und die Bestandsabstockung ist für knapp ein Fünftel der teilnehmenden Landwirte eine Option in der Betriebsentwicklung. Denn die zunehmenden Restriktionen bei der Düngung und hohe Kosten für Land, die die Zupacht oder den Kauf von Flächen nicht mehr zulassen, ziehen die Bestandsabstockung nach sich, um die Vorgaben einzuhalten.

58 Prozent der befragten Tierhalter wollen ihre Haltungsverfahren im Vergleich zu den im Jahr 2018 angewendeten Verfahren nur unwesentlich verändern,

während 42 Prozent die Verfahren deutlich mehr am Tierwohl ausrichten wollen. Ein Teil der befragten Landwirte hat die Haltungsverfahren bereits mehr an Tierwohlkriterien ausgerichtet (bspw. durch Teilnahme an der Initiative Tierwohl). Aber für einen großen Anteil der an der Befragung teilnehmenden Betriebsleiter ist bspw. die Teilnahme an Tierwohlprogrammen keine Option für die Entwicklung der eigenen Tierhaltung. 

Fazit:

Die Entwicklung der Betriebe differenziert sich zunehmend. Während ein Teil der Betriebe die Anpassung an Anforderungen an das Tierwohl oder den mechanischen Pflanzenschutz aktiv vorantreiben, sind für einen anderen Teil der Betriebsleiter bewährte Strategien nach eigener Einschätzung weiterhin tragfähig.

Wichtiges Handlungsfeld der Betriebsführung ist, die Trends und Entwicklungen in Umfeld und in der Verfahrensgestaltung intensiv zu verfolgen, um über mögliche Konsequenzen für den eigenen Betrieb im Klaren zu sein und ggf. handeln zu können.