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Neue Fruchtfolgen:

Ackerbaulich top, wirtschaftlich Flop?

Enge Fruchtfolgen verursachen zunehmend ackerbauliche Probleme durch steigenden Krankheitsdruck, die Zunahme resistenter Ungräser etc. Problemlöser sind auch erweiterte Fruchtfolgen. Die, auf den ersten Blick, geringere Wirtschaftlichkeit der alternativen Fruchtarten hemmt die raschere Umstellung der Anbauprogramme. Doch es lohnt sich, Fruchtfolgeerweiterungen exakt zu kalkulieren und Effekte auf Erträge, Arbeitserledigung etc. zu berücksichtigen. 

Erweiterte Fruchtfolgen sind ein Schlüssel für die Lösung ackerbaulicher Probleme

Der Marktfruchtanbau in Deutschland hat sich in den letzten 30 Jahren sehr stark auf den Anbau von nur wenigen Fruchtarten spezialisiert. Wintergetreide, Winterraps, Zuckerrüben und Mais sind die wirtschaftlich vorzüglichen Fruchtarten. Die dynamische Ertragsentwicklung und die Möglichkeiten der Ertragsabsicherung mit chemischem Pflanzenschutz haben die Konzentration des Anbaus auf wenige Fruchtarten ermöglicht. Sommergetreide und Leguminosen hingegen stagnierten in der Ertragsentwicklung, und der Absatz ist schwierig. 

In dieser Konstellation sind ackerbauliche Grundprinzipien in den Hintergrund getreten, und das zugespitzte Anbauprogramm erschwert termingerechte Arbeitserledigung. Die engen Fruchtfolgen führen aktuell zu verstärktem Krankheitsdruck, zunehmenden Resistenzen von Ungräsern gegenüber Pflanzenschutzmitteln und zur Zunahme von schwer bekämpfbaren Gräsern und Unkräutern. So treten in den von Getreide dominierten Regionen Herbizidresistenzen von Gräsern auf und in intensiven Rapsanbauregionen nehmen Insektizidresistenzen, Kohlhernie und andere bodenbürtige Pilze zu. 

Die zunehmenden Probleme erfordern die Erweiterung der engen Fruchtfolgen. Leguminosen, Sommergetreide, Mais und, je nach Möglichkeiten auf dem Standort, Soja sind geeignete Fruchtarten, um enge Fruchtfolgen zu erweitern. In der Anbaudiversifizierung gewinnt der Mais derzeit an Vorzüglichkeit, denn auch die klimatischen Veränderungen wie der wärmere und trockenere April und die feuchteren Sommer (abgesehen von dem im Jahr 2018) begünstigen den Maisanbau. Um eine fünffeldrige Fruchtfolge zu erreichen, bietet sich die Hinzunahme einer Sommerung/Mais und einer Leguminose an. Aber auch der Anbau von Ackerfutter in Kooperation mit Futterbaubetrieben kann die gewünschte Erweiterung der Rotation erbringen.

Erweiterte Fruchtfolgen – wirtschaftlich ein Flop?

Einfache Deckungsbeitragsvergleiche sind oft das Mittel der Wahl bei Anbauentscheidungen. Jedoch ist es notwendig, das betriebswirtschaftliche Ergebnis der gesamten Rotation zu betrachten, um die Erweiterung der Fruchtfolgen zu kalkulieren. So kann eine Körnerleguminose den Unkraut- und Ungrasdruck reduzieren und den Pflanzenschutzmittelaufwand reduzieren, zu höheren Getreideerträgen führen und Arbeitsspitzen entzerren, wodurch Aussaat, Pflanzenschutz und Düngung termingerecht zu erledigen sind.

Wie kann eine Erweiterung enger Fruchtfolgen konkret aussehen? Beispielsweise sollten enge Fruchtfolgen bestehend aus Raps, Weizen und Gerste mit 30% Raps und fast 50% Weizen erweitert werden. Ziel sind mind. 20% Sommerungen. Zunächst sind die zu kalkulierenden Fruchtfolgen festzulegen. In der Fruchtfolgekalkulation sind bspw. zu berücksichtigen:

  • Zu- / Abschläge bei den Erträgen (Vorfruchteffekte),
  • Änderungen auf der Erlös- und Kostenseite; hierbei sind auch die fixen Kosten bspw. für Lagerung und Trocknung zu berücksichtigen, da die Ansprüche der Fruchtarten hier sehr unterschiedlich sind und etwaige Investitionen in die Erweiterung der Rotation entscheidungsrelevant sind,
  • N-Bilanzüberschüsse der erweiterten Rotation und die Wirkung auf die Erfüllung der Vorgaben der Düngeverordnung,
  • Brechen von Arbeitsspitzen und Zugewinn an Schlagkraft bspw. bei der Herbstaussaat,
  • Streuung von Ertragsrisiken. 

Für die Kalkulation ist es wichtig betriebliche Daten zu verwenden, um an den Standort und die betrieblichen Verhältnisse angepasste Ergebnisse zu erzielen. Denn letztlich geht es darum, die für den Standort und den Betrieb passenden Fruchtfolgeerweiterungen vorzunehmen. Das erfordert die Kalkulation der in Frage kommenden Rotationen inkl. der Berücksichtigung der Fruchtfolgeeffekte auf Erträge, Aufwand, Arbeitserledigung etc. Mit der detaillierten Betrachtung liegt eine umfangreiche Entscheidungsbasis für die Anbauentscheidung vor. 

Autor: Dr. Achim Schaffner, DLG