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Sanierungsansätze bei landwirtschaftlichen Betrieben in der Krise

Andreas Lieke, Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH

Schwankende Preise für landwirtschaftliche Produkte mit ausgeprägten Niedrigpreisphasen, sowie aus staatlichen Regulierungen folgende Kostensteigerungen führen neben betriebsindividuellen Problemstellungen dazu, dass landwirtschaftliche Betriebe in existenzbedrohliche Krisen geraten.

Ziel einer Sanierung ist es, diese Abwärtsspirale zu durchbrechen und das Unternehmen wieder zu stabilisieren. Sanierungen sind immer dann besonders aussichtsreich, wenn die betriebliche Krise rechtzeitig erkannt und bei der Umsetzung des Konzeptes konsequent gehandelt wird. 

Abhängig von den betrieblichen und persönlichen Gegebenheiten sind Betriebe unterschiedlich anfällig für eine Krise. Besonders gefährdet sind:

  • hoch spezialisierte Unternehmen, die keine angepasste Risikovorsorge besitzen 
  • stark mit Fremdkapital gewachsene Unternehmen
  • Unternehmen mit unterdurchschnittlichen Produktionsergebnissen und geringer Rentabilität
  • Unternehmen ohne nachhaltige Eigenkapitalbildung
  • Unternehmen, die nicht in der Lage sind, personelle Ausfälle zu kompensieren
  • Unternehmen ohne ein funktionierendes Controlling 

Ist ein Unternehmen aus verschiedenen Gründen als besonders krisenanfällig einzustufen, kann sich eine potenzielle/latente Unternehmenskrise schnell und unvorhergesehen durch kleine Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer akuten und unbeherrschbaren Krise ausweiten. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass gerade bei Unternehmen, bei denen keine natürliche Person haftet, in vielen Fällen die Pflicht besteht, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Befindet sich das Unternehmen in einer echten Liquiditätskrise, lässt sich dies nicht mehr ohne die intensive Hilfe erfahrener Steuer- bzw. Wirtschaftsberater und Anwälte lösen. 

Ein erfolgreicher Sanierungsprozess beansprucht dabei mindestens 4-6 Monate und erfordert die intensive Mitarbeit der Unternehmensleitung. Die vollständige Umsetzung der notwendigen Maßnahmen kann dabei Jahre dauern.

Gemeinsam mit der Beratung erfolgt zuerst eine Analyse des Unternehmens mit dem Ziel zu ermitteln, in welchem Krisenstadium sich der Betrieb befindet und welche Maßnahmen kurzfristig notwendig sind. Hierbei erfolgt eine intensive Aufarbeitung der Finanz- und Leistungswirtschaft des Unternehmens mit einer Überprüfung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit. Erst wenn die kurzfristige Zahlungsfähigkeit für den Sanierungszeitraum abgesichert ist, kann mit der eigentlichen Strukturierung der Sanierung begonnen werden.

 

Ablauf einer Sanierung in der Landwirtschaft:

  1. Sicherung der Zahlungsfähigkeit für mindestens 3-4 Monate
  2. Aufarbeitung der leistungs- und finanzwirtschaftlichen Gegebenheiten, sowie Ermittlung von Stärken und Schwächen
  3. Erarbeitung von Maßnahmen, die geeignet sind, die Krise zu überwinden
  4. Zusammenfassung aller Ergebnisse in einem Sanierungskonzept 
  5. Vorstellung des Konzeptes und Überzeugung der Gläubiger für den Sanierungsprozess
  6. Vollständige Umsetzung und laufende Anpassung des Sanierungskonzeptes 

Alle Sanierungsansätze dienen dem Erreichen der einzelnen Ziele der Sanierung. Im Zentrum der Überlegungen steht neben dem Unternehmen vor allem das Vermögen der Unternehmerfamilie. Der zu formulierende Maßnahmenkatalog an Sanierungsansätzen muss im Ergebnis mindestens dazu führen, dass die nachhaltige Zahlungs- und Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens wiederhergestellt ist und das Unternehmen wieder Eigenkapital bilden kann. Nach der Durchführung der Sanierungsmaßnahmen sollte die mittelfristige Kapitaldienstgrenze zu weniger als 90 Prozent ausgelastet sein.

Auf Grundlage der durchgeführten Analysen werden Reserven in allen Bereichen gesucht und Maßnahmen formuliert, um diese zu heben. Maßnahmen sind dann zur Krisenbewältigung geeignet, wenn sie Kapitaldienstfähigkeit und Eigenkapitalbildung verbessern und stabilisieren. 

Leistungswirtschaftliche Maßnahmen haben Einfluss auf die Produktion und wirken sich positiv auf den Gewinn des Unternehmens aus. Eine Optimierung der Produktion ist dabei in der Regel die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung.

Verhaltensänderungen der Unternehmerfamilie wirken sich in der Regel auf die erforderlichen Privatentnahmen und Privateinlagen aus und können gerade in kleineren Betrieben einen erheblichen Beitrag zur Herstellung der Kapitaldienstfähigkeit leisten. 

Finanzwirtschaftliche Maßnahmen erfordern in der Regel die Zustimmung der Gläubiger. Sollte sich die Kapitaldienstfähigkeit durch leistungswirtschaftliche Maßnahmen und Beiträge der Unternehmerfamilie nicht sichern lassen, ist es im Rahmen einer Sanierung möglich, die Kapitaldienste durch Tilgungsreduzierung in Verbindung mit Umfinanzierung zur Reduzierung der Zinsbelastung zu senken.

Stellt sich während des Prozesses heraus, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um Unternehmen zu retten oder lassen sich die Gläubiger nicht vom vorgestellten Konzept überzeugen, verbleibt nur der Weg, das noch verbliebene Vermögen durch einen geordneten Rückzug zu sichern.

Wenn Sie als Unternehmer das erste schlechte „Bauchgefühl“ ernst nehmen, die drohende Krise erkennen, sich gut beraten lassen und bereit sind, Sanierungsmaßnahmen ohne Vorbehalte umzusetzen, wird Ihr Unternehmen deutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Das Motto für den Unternehmer muss also lauten, nicht den Kopf in den Sand stecken und vor den Problemen weglaufen, sondern genau diese mit guter fachlicher Unterstützung angehen. Es lohnt sich! 

Zur Wintertagung veröffentlicht der DLG-Ausschuss für Wirtschaftsberatung und Rechnungswesen ein DLG-Merkblatt zum Thema “Agrarunternehmen in der Krise – Sanierungsstrategien“. Dies ist auch Thema im gleichnamigen Impulsforum auf der DLG-Wintertagung am 20. Februar 2019 um 15:30 Uhr im Saal 1 in Hannover.