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"Wir Schweinehalter brauchen Planungssicherheit"

Interview mit dem Schweinehalter Thomas Asmussen

Sehr geehrter Herr Asmussen, welche Einflussfaktoren bestimmen aktuell und mittelfristig die Entwicklungsmöglichkeiten in der Schweinehaltung? 

Wir Schweinehalter brauchen vor allem eines und das ist Planungssicherheit von zwei Seiten und zwar seitens der Politik und des Lebensmitteleinzelhandels. 

Ein ganz entscheidender Punkt ist die politische Planungssicherheit, wie wir zukünftig bauen dürfen. Wir brauchen von der Politik Entscheidungen, was die Haltungs- und Platzbedingungen sowie andere Themen rund um den Stall angeht. Das Deckzentrum ist dabei ein Thema und ebenso die Abferkelung. Beim Wartebereich können wir heute schon den Forderungen von NGOs gerecht werden. Wir müssen ja irgendwie eine Akzeptanz für das bekommen, was wir zukünftig machen wollen.

Wenn wir jetzt beispielsweise das Deckzentrum abarbeiten und lassen den Abferkelstall unberührt, und spätestens in fünf Jahren gibt es dafür neue Rahmenbedingungen, dann haben wir nichts gewonnen. Es braucht eine klare Ansage, um zu wissen, worauf man sich einlässt. Erst dann kann man kalkulieren und Investitionen tätigen oder auch nicht. 

Zweitens muss sich der Lebensmitteleinzelhandel überlegen, wie er zukünftige Haltungssysteme vermarktet und wie diese bezahlt werden. Wir haben einen Markt, der immer globaler wird. Wenn man Ställe mit viel mehr Platz, mit Raufutterfütterung und Außenklima will, werden sie um ein Mehrfaches teurer sein. Wir sind auf unserem Betrieb gerade selbst in der Planung für ein solches Projekt, und die Kosten betragen circa das Doppelte eines herkömmlichen Stalls. Der globale Markt fordert und bezahlt solche Haltungssysteme nicht. 

Der Lebensmitteleinzelhandel muss sich deshalb überlegen, wie er derartige Systeme honorieren möchte und muss dies auch klar kundtun. Hat ein Bauer Planungssicherheit hinsichtlich der Finanzierung und Vorgaben, fängt er an zu bauen. Erst dann gibt es den von vielen Seiten gewünschten Systemwechsel. Umgekehrt funktioniert das nicht. Wir können nicht erst einen Stall bauen und dann abwarten, wie die Finanzierung aussieht. Das ist die Krux.

Das Tierwohl ist ein gutes Thema, aber es ist zurzeit eine Halbwahrheit. Mehr Platz und Raufuttergaben sind sicherlich ein Anfang und werden in die modernen Systeme und Arbeitswirtschaft integriert werden können. Umso mehr muss dabei aber klar sein: Wir werden immer Kritiker haben, denen irgendetwas nicht passt. 

Wir Schweinehalter brauchen von der Politik außerdem eine klare Aussage, was sie eigentlich will. Will sie wirklich noch Nutztierhaltung oder werden die Bedingungen irgendwann so erdrückend sein, dass keiner mehr Lust hat auf die Schweinehaltung?

Es kann auch nicht sein, dass wir in Deutschland unsere eigene Produktion kaputtmachen, die gute Standards und Kontrollmechanismen hat und gleichzeitig Fleisch aus Russland oder einem anderen Land importieren, wo diese hohen Qualitäten nicht gesichert sind. Das ist Betrug am Verbraucher. 

Was tun Sie heute, um im den unter 1. skizzierten Umfeld Ihren Betrieb für die Zukunft aufzustellen, und welchen Fortschritt nutzen Sie dazu?

Ich engagiere mich beispielsweise beim „Stall der Zukunft“. Das ist ein Projekt von unter anderem drei Universitäten, die daran arbeiten, wie der Sauenstall der Zukunft aussehen kann. Da versuchen ich und meine Partnerin mitzuwirken. 

Keiner weiß besser als wir Schweinehalter selber, wie ein Stall der Zukunft aussehen könnte. Wir sollten uns im Kopf einmal von unseren alten Haltungssystemen lösen und überlegen, welche Gründe gegen die Schweinehalter heute vorgebracht werden. Angeklagt werden wir wegen des vielen Eisens im Stall, weil zu wenig Platz zur Verfügung steht und Stroh in den Ställen fehlt. Wir wissen besser als jeder NGO-Vertreter und Politiker, wie ein Stall aussehen kann, der Arbeitssicherheit, Wirtschaftlichkeit und das Tierwohl unter einen Hut bekommt.

Was den Fortschritt betrifft, gilt für unseren Betrieb das Gleiche wie für andere Betriebe auch: Die Ställe sind so, wie sie sind, und geben wenig Raum für eine Neugestaltung. Wir haben sicher durch das Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz, bei dem wir Demonstrationsbetrieb sind, etliches geändert. Ein Beispiel ist die Mutter-Kind-Tränke, von der ich früher noch gesagt habe, dass sie eine hygienische Katastrophe ist. Heute sehe ich darin einen absoluten Vorteil für die Sau.

Bestehende Buchten in eine Bewegungsbucht umzubauen, ist immer ein Kompromiss und funktioniert nicht, weil man doppelt so viel Platz braucht. Will man Tierwohl intensiv in die Ställe bringen, werden viele alte Ställe nicht mehr dafür geeignet sein.

 

Unter den sich rasant ändernden Bedingungen stellt sich für manchen Landwirt die Grundsatzfrage nach dem Weitermachen oder Aufhören. Wie müssen Landwirte heute Weichen stellen, um auch in Zukunft noch Schweinehaltung betreiben zu können?

Im Landwirtschaftsministerium in Kiel versucht man, die AFP-Kriterien praktikabel für uns konventionelle Betriebe zu machen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Der zweite Punkt ist der Lebensmitteleinzelhandel. Wir sitzen mit REWE und EDEKA zusammen und diskutieren darüber, wie man zukünftig entsprechende Programme aufbauen kann, damit wir Schweinehalter die Planungssicherheit bekommen, die wir für Investitionen brauchen.

 

Wann wäre aus Ihrer Sicht der Punkt erreicht, bei dem ein Aufhören die bessere wirtschaftliche Entscheidung für Schweinehalter wäre?

Der Punkt wäre für mich dann erreicht, wenn es keinen finanziellen Ausgleich für den Systemwechsel gibt, den wir brauchen, um Akzeptanz für unser Wirtschaften zu bekommen. Wenn es keine Förderung oder Markenfleischprogramme vom Lebensmitteleinzelhandel gibt, werden wir finanziell die Füße nicht mehr auf den Boden bekommen. Dann wird es noch eine längere Übergangszeit geben und dann ist Feierabend. Dann sind die Türen irgendwann zu.

 

Zur Person:

Thomas Asmussen bewirtschaftet in Gelting (Schleswig-Holstein) einen Betrieb mit Sauenhaltung und Schweinemast. Der Ackerbau-Veredelungsbetrieb verfügt über 150 Zuchtsauen, der Maststall hat 1.440 Plätze.