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Wie wirtschaftlich sind neue Fruchtfolgen?

Fruchtfolgen sind in der letzten Zeit wieder stärker in den Fokus gerückt. Vielfältige Veränderungen in den Rahmenbedingungen und auch Fruchtfolgeprobleme haben vielerorts ein Fragezeichen hinter die praktizierten Fruchtfolgen gesetzt und zu einer Suche nach alternativen Früchten bzw. Fruchtfolgen geführt.

Im Rahmen einer von der UFOP geförderten Studie wurde die Wirtschaftlichkeit ausgewählter Fruchtfolgen mit und ohne Raps auf Basis einer Vollkostenkalkulation für verschiedene, ackerbaulich in sich ähnliche Regionen in Deutschland geprüft. In den Kalkulationen wurden neben dem Ertrag insbesondere Düngung, Pflanzenschutz und die Bodenbearbeitung an die jeweilige Rotation angepasst. 

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Fruchtfolgen deutschlandweit vielfältiger werden. Dabei wird die Konkurrenz für dreifeldrige Raps-Getreide-Fruchtfolgen auf vielen Standorten stärker. Auf den Hochertragsstandorten hat der Raps Konkurrenz durch die Leguminosen und den Silomais bekommen. Für diese Früchte sprechen die etwas höheren Rapserträge in weiteren Fruchtfolgen sowie der Effekt des Blattfruchtweizens im Vergleich zum Stoppelgetreide.

Mehr Vier- bis siebenfeldrige Fruchtfolgen

Für die Vollkostenkalkulation wurde zudem angenommen, dass der Rapsertrag in einer vierjährigen Fruchtfolge in Abhängigkeit von der Region um ebenfalls 1 bis 2 dt/ha steigt. In vielen Regionen werden damit vier- bis siebenfeldrige Fruchtfolgen im Anbau zunehmen. Siebenfeldrige Fruchtfolgen mit Körnerleguminosen verlieren durch das Einsatzverbot von Pflanzenschutzmitteln auf Greening-Flächen an Vorzüglichkeit. Sie bleiben auf vielen Standorten aber weiterhin wirtschaftlich attraktiv.

Eine siebenfeldrige Fruchtfolge mit großkörnigen Leguminosen sieht z. B. wie folgt aus: Raps-Weizen-Ackerbohne/Erbse-Weizen-Raps-Weizen-Gerste. Der Erfolg einer solchen Fruchtfolge mit Körnerleguminosen hängt neben dem Vorfruchteffekt vom Ertrag der Leguminose ab. Auf den guten Ackerbaustandorten erreichen Ackerbohnen und Erbsen regelmäßig Erträge zwischen 50 und 60 dt/ha. Verstärkt wird der Effekt der weiten Fruchtfolgen bei pflanzenbaulichen Problemen, wie z. B. die Ackerfuchsschwanzresistenz und Altrapsproblematik. Aber auch bei den Leguminosen können die wenigen zugelassenen Herbizide zum Problem werden.

Durch den Rückgang der Zuckerrübenpreise gewinnt bundesweit der Raps nur begrenzt Fläche dazu. Die Zuckerrübenerträge sind in den vergangenen Jahren durch den Zuchtfortschritt und veränderte Produktionsverfahren stark angestiegen. Vierfeldrige Fruchtfolgen mit Raps und Zuckerrübe sind in weiten Preisbereichen wirtschaftlich den dreifeldrigen Raps-Getreide-Fruchtfolgen überlegen.

Auch der Silomais erweitert bei regionaler Nachfrage durch Biogasanlagen und Milchviehbetriebe die Fruchtfolge. Seine Wirtschaftlichkeit hängt dabei sehr stark von der regionalen Preisbildung ab. In der Studie wurde das Preisverhältnis zwischen Weizen und Trockenmasse Silomais auf dem Halm von 0,45 bis 0,55 variiert. Bei 170 €/t für den Weizen variiert der Silomais damit zwischen 77 und 94 €/t. Im Norden ist zudem die Ackerbohne im Aufwind. Vor allem in der Milchviehfütterung ersetzt sie neben dem Rapsschrot bei der Produktion von Milch ohne genmodifizierte Futtermittel (Sojaschrot).

Dreifeldrige Fruchtfolge weiter auf schwächeren Standorten

Der hohe Bedarf an heimischem Eiweiß wird auch in den kommenden Jahren den Rapsanbau in Deutschland stärken. Raps ist mit einem Anteil von 55 bis 60 % Ölschrot ein wichtiger Eiweißträger für die Tierproduktion. Die klassische dreifeldrige Fruchtfolge Raps-Getreide-Getreide bleibt auf den schwächeren und kühleren Standorten Nordostdeutschlands und in den Mittelgebirgslagen aufgrund der niedrigen Erträge für Körnerleguminosen und der klimatischen Begrenzung von Zuckerrübe, Körnermais und Sojabohne auch künftig die dominierende Fruchtfolge. Sie wird ergänzt durch den Silomais, der in der vierfeldrigen Fruchtfolge mit Raps pflanzenbauliche Vorteile bietet.

Raps entfaltet durch den Anbau im Spätsommer mit seiner guten Wurzelbildung in Gebieten mit einer Vorsommertrockenheit und in Mittelgebirgslagen besonders auf schwierigen Standorten seine Stärke. Dort hat Raps ein enges Ertragsverhältnis zu Getreide und ist die Kultur mit der höchsten Eigenrentabilität. Die Landwirte bauen die Fruchtfolge „um den Raps herum“. In Kalkulationen wurde die Preisrelation zwischen Raps und Weizen zwischen 1,8:1 und 2,2:1 variiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Raps auch bei einer Relation von 1,8:1 stabil im Anbau bleiben wird. Die hohe Eigenrentabilität erschwert aus wirtschaftlicher Sicht hier die Erweiterung der Fruchtfolge. Allerdings zeigen die engen Fruchtfolgen der vergangenen Jahrzehnte die Grenzen des Anbaus.

Auf guten Standorten rechnen sich Sommerblattfrüchte

Auf den guten Ackerbaustandorten in Westdeutschland sind die Sommerblattfrüchte Zuckerrüben, Silomais und Kartoffeln so ertragsstark und rentabel, dass auch die Fruchtfolgen, in denen sie stehen, die höchste Wirtschaftlichkeit aufweisen. Dabei ist die Fruchtfolge Raps-Winterweizen-Zuckerrübe-Winterweizen in einer weiten Spanne der Preisrelationen neben Silomais-Fruchtfolgen sehr wettbewerbsfähig. Diese vierfeldrige Fruchtfolge steht hier aus folgenden Gründen besser da als die dreifeldrige Fruchtfolge Zuckerrübe-Winterweizen-Winterweizen: Der Stoppelweizen hat einen geringeren Ertrag als der Rapsweizen und darüber hinaus höhere Produktionskosten infolge des Pflügens. Der vergleichsweise schwächere Raps stärkt dabei seine Nachfolgefrucht.

Die dreifeldrigen Raps-Getreide-Fruchtfolgen hatten gegenüber den Fruchtfolgen mit Zuckerrübe und Silomais auf den guten Ackerbaustandorten bei fast allen untersuchten Preisrelationen das Nachsehen. Erst bei einem weiten Preisverhältnis zwischen Zuckerrüben und Raps (1:14) errechnete sich für Zuckerrübe-Winterweizen-Winterweizen im Vergleich zu Raps-Winterweizen-Getreide weniger bzw. ein ähnlicher Beitrag, je nach Raps-Weizen-Preisverhältnis. Die Wahl zwischen Wintergerste und Stoppelweizen als abtragende Frucht hängt stark vom Standort, der Arbeitsorganisation und der regionalen Vermarktung ab. Fruchtfolgen mit Ackerbohnen liegen in ihrer Wirtschaftlichkeit etwas hinter den dreifeldrigen Raps-Getreide-Fruchtfolgen. Erst bei einem Ertrag von 6 t/ha schließen sie hinsichtlich der Rentabilität auf.

In den Mittelgebirgslagen lieferten von den vier untersuchten Fruchtfolgen über alle Preisverhältnisse hinweg Raps-Winterweizen-Wintergerste und Raps-Winterweizen-Silomais-Winterweizen die höchsten Grundrenten. Dabei war die letztgenannte Fruchtfolge ab einem Preisverhältnis für Silomais (TM) zu Weizen von 0,5:1 am wirtschaftlichsten. Die Raps-Winterweizen-Winterweizen-Fruchtfolge rechnete sich zwischen 41 und 33 €/ha schlechter als Raps-Winterweizen-Wintergerste. Hintergrund ist der höhere Rapsertrag nach Vorfrucht Wintergerste und der um 5 dt/ha geringere Ertrag des Stoppelweizens gegenüber der Wintergerste. Die Aufnahme der Erbse in die Fruchtfolge ist bei einem Ertrag von 35 dt/ha nicht rentabel. Für die Wettbewerbsfähigkeit fehlen der Erbse hier 10 bis 15 dt/ha.

 

Zur Person: Prof. Dr. Reimer Mohr ist Geschäftsführer der Hanse Agro Unternehmensberatung GmbH. Die Schwerpunkte des in Hannover ansässigen unabhängigen, privaten Beratungsunternehmens liegen in der Betriebsanalyse und der Vermarktungsplanung. Die Lehrtätigkeit wird an der Fachhochschule in Kiel am Standort Rendsburg ausgeübt.