Skip to main content

„Wir hacken und striegeln fast jede Kultur“

Interview mit dem Bioland-Bauern Simon Bolten

Sehr geehrter Herr Bolten, bevor wir auf den Einsatz von Striegel und Hacke auf Ihrem Bioland-Betrieb eingehen, möchten wir Sie bitten, kurz die Kulturen zu nennen, die Sie anbauen.

Ein Schwerpunkt unseres Betriebs ist der Gemüseanbau. Wir bauen Industriegemüse wie Spinat, Weiß- und Rotkohl sowie Gemüseerbsen an, des Weiteren Kürbisse, Möhren und Zwiebeln. Als Ackerkulturen haben wir Kartoffeln, Braugerste und Ackerbohnen. Der Klee geht an eine Biogasanlage. 

 

Welche Verfahren der mechanischen Unkrautbekämpfung setzen Sie in Ihrem betrieblichen Alltag ein?

Eigentlich alle, die es gibt. Weil wir viel Gemüse anbauen, müssen wir bei der Unkrautregulierung sämtliche Register ziehen. Wir hacken, striegeln, häufeln und setzen daneben auch noch Verfahren zur thermischen Unkrautregulierung ein, also das Abflammen.

Bei uns kommen überall Hacke und Striegel zum Einsatz, außer bei der Braugerste, die wir nur striegeln, und beim Klee für die Biogasanlage, der nicht bearbeitet wird. Bei allen anderen Kulturen, also auch Zwiebeln oder Kürbissen, wird inzwischen zusätzlich zum Hacken noch gestriegelt.

Mit der mechanischen Unkrautregulierung kann einiges gewonnen und viel verloren werden. Kulturpflanzen können beschädigt werden oder wenn die Maschine falsch eingestellt ist, hackt man den ganzen Tag, ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis zu bekommen. Unsere Hackmaschinen haben außerdem alle einen zusätzlichen Sitz für eine separate Maschinensteuerung. Es sitzt also einer auf der Hackmaschine und einer auf dem Traktor. Mittlerweile sitze ich hauptsächlich auf der Hackmaschine. Bei Kulturen, wo es nicht so sehr auf die Hackgenauigkeit ankommt oder wo gehäufelt wird, wie beim Kohl, steuere ich die Hackmaschine alleine.

 

Was sollten Landwirte beim Einsatz von Hacke und Striegel beachten? Geben Sie Tipps aus der Praxis!

Für uns ist in den letzten Jahren ein sehr ebenes und feines Saatbett immer wichtiger geworden. Das steht häufig im Widerspruch zur Meinung vieler Kollegen. Anders können wir aber die richtige Tiefenführung der Hacke nicht gewährleisten. Der sehr feine und sehr ebene Boden kann zwar dazu führen, dass er bei starken Niederschlägen auch einmal verschlämmt. Die Verschlämmungen werden aber durch die mechanische Unkrautregulierung wieder aufgebrochen. Es ist sehr wichtig, dass die Tiefenführung passt und wir keine großen Kluten im Acker haben, die sich zwischen die Hackschare setzen.

Wir sind in den letzten Jahren darüber hinaus beim Einsatz des Striegels immer mutiger geworden. Mittlerweile setzen wir ihn auch in Kulturen ein, in denen wir ihn früher nicht eingesetzt hätten, wie etwa in Zwiebeln oder Kürbissen. Hier geht es darum, Grenzen auszuloten und zu schauen, wie empfindlich einzelne Sorten auf das Striegeln reagieren. Man kann relativ viel ausprobieren. Je mehr man weiß, desto genauer kann man die Technik einsetzen.

Ein häufiger Fehler beim Hacken besteht darin, die Hacke zu tief einzusetzen. Die arbeitet dann eher wie ein Grubber. Unser Ziel ist es immer, möglichst flach zu arbeiten, um kein neues Samenpotenzial aus der Tiefe hochzuholen, das wieder Probleme schafft. Wir wollen den oberen Horizont bearbeiten und dort das Samenpotenzial klein halten und nicht immer neues Unkraut zum Keimen anregen, indem wir tief rumrühren.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem aktuellen Stand der Technik hinsichtlich Themen wie Flächenleistung, Verschleiß et cetera?

Flächenleistung ist extrem wichtig für uns. Die Arbeitsbreite ist ein Riesenthema, weil es Kulturen gibt, wie beispielsweise Kartoffeln, bei denen man in einem größeren Stadium nur noch langsam fahren kann. Dann bekommt man Schlagkraft nur über die Arbeitsbreite. Wir versuchen, alle Kulturen auf neun Meter zu hacken und zu striegeln. Derzeit träumen wir von einem noch viel breiteren Striegel, um noch schlagkräftiger zu werden. 

Die Einstellzeiten für die Hacktechnik spielen auch eine große Rolle. Wir haben deshalb mittlerweile für fast jede Kultur eine eigene Hacke auf dem Betrieb, um Rüstzeit zu sparen. Denn wenn das Wetter passt, muss man mit allen Maschinen raus und kann nicht erst noch von der einen Kultur auf die andere umstellen. 

Verschleiß ist ebenfalls ein Thema. Das ist natürlich eine Kostenfrage. Ein großes Problem sehe ich im Verschleiß der Parallelogramme. Sie sind deutlich teurer als Hackschare, die ebenfalls verschleißen. Wenn ein dicker Stein im Acker ist, kann das ein oder andere Parallelogramm kaputtgehen. Das geht dann schon ins Geld.

 

Wo sehen Sie noch technischen Entwicklungsbedarf? Welche Hausaufgaben gibt es zu bewältigen?

Die Hauptherausforderung ist die Ungenauigkeit der bisher verfügbaren Hackmaschinensteuerungen. Wir haben alle Traktoren mit einem RTK-System ausgerüstet. Die fahren dann mit einer Genauigkeit von 2,5 Zentimetern über den Acker. Wenn wir automatisch hacken wollen, haben wir aber trotz der RTK-Systeme und der momentan verfügbaren Bildverarbeitungssysteme in der Praxis rund sechs Zentimeter unbearbeiteten Abstand zwischen den Hackscharen, um die Kulturreihen nicht umzuhacken. Deshalb steuern wir vor allem in Gemüsekulturen mit einem zweiten Mann auf der Hackmaschine händisch nach, um auf zwei Zentimeter genau zu sein. Dadurch können wir einen geringeren Abstand zwischen den Hackscharen fahren und haben weniger Fläche unbearbeitet, die uns dann unter Unterständen in Kulturen wie der Zwiebel Handarbeit kosten.

Die verfügbare Bildverarbeitung ist ebenfalls noch nicht so zuverlässig, dass wir sie in Gemüsekulturen so einsetzen können, wie wir es gerne würden. 

 

Wie schätzen Sie die neuen technischen Entwicklungen ein? Ist beispielsweise der Einsatz von Robotern praxistauglich?

Bei einem Roboter stellen sich viele gleich einen Industrieroboter vor. In gewisser Weise haben wir schon eine Vielzahl von Maschinen auf dem Acker, die immer weiter automatisiert werden. Auch die Traktoren sind mittlerweile oft RTK-gesteuert. Das hat uns in den letzten Jahren extrem geholfen. Die mechanische Unkrautregulierung ist durch die RTK-Systeme um ein Vielfaches besser geworden. Es ist schlicht viel einfacher, einer schnurgeraden Pflanzenreihe entlang zu hacken, als einer Zickzack-Linie zu folgen. 

Bei den automatischen Steuerungen wird in den nächsten Jahren hoffentlich noch viel passieren, vor allem was die In-Row-Hacktechnik im Gemüse anbelangt. Denn diese ist momentan leider häufig noch nicht zuverlässig genug. Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft gute Steuerungs- und Bildverarbeitungssysteme kommen, die Handarbeit überflüssig machen.

 

Zur Person: Simon Bolten bewirtschaftet zusammen mit seinen Eltern in Niederkrüchten (Nordrhein-Westfalen) einen Biolandbetrieb mit 270 Hektar Ackerfläche. Die Biohof Bolten GbR verfügt des Weiteren über einen Vollsortiments-Biohofladen und einen Verpackungsbetrieb, der einen Großteil der Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln verpackt und an den LEH vermarktet.