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Digitalisierung zur Implementierung der Erfassung der Ernte- und Futtererträge nutzen

Beitrag von Stefan Thurner, Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Bei der Ernte von Feldfutter (Silomais, Kleegras oder Luzerne) und Grünland wird derzeit zumeist keine moderne digitale Technik zur Ertragsermittlung eingesetzt, da das Erntegut oft nur innerbetrieblich genutzt wird. Auch werden keine weiteren Parameter wie z. B. der Trockenmasse- oder Rohproteingehalt bei der Ernte erfasst. Selbst beim Zukauf von Grundfutter werden sehr häufig Pauschalpreise pro Hektar Anbaufläche unabhängig vom tatsächlichen Ertrag vereinbart. Durch diese aktuelle Praxis stehen den landwirtschaftlichen Betrieben nur wenige Daten über den Feldfutterbau und das Grünland zur Verfügung.

Grundlage für die Futterrationsplanung ist jedoch eine möglichst genaue Kenntnis der verfügbaren Futtervorräte und -qualitäten. Weitergehend erfordert die Düngung nach Entzug gemäß der neuen Düngeverordnung die Kenntnis der tatsächlichen Erträge auf den einzelnen Schlägen, um eine optimale Düngeplanung und Düngung durchführen zu können. Gerade im Grünland, das i. d. R. auf Grenzstandorten steht, schwanken die Erträge selbst in Gunstlagen (z. B. Allgäu) zwischen den Schlägen stärker als auf Ackerflächen (Köhler et al., 2017; Smit et al., 2008). Darüber hinaus bringt die Kenntnis der exakten Erträge weitere Vorteile z. B. Erkennen von sanierungsbedürftigen Grünlandflächen, besseres Pachtmanagement, Ersatz von Schätzwerten/allgemeinen Tabellenwerten zum Ertrag und Optimierung des Fütterungsmanagement.

Seit mehreren Jahren steht mit der Ertragserfassung am selbstfahrenden Feldhäcksler eine digitale Technik zur Verfügung, die für innerbetriebliche Zwecke ausreichend genau die Trockenmasseerträge pro Hektar beim Grobfutter bestimmen kann. Mittlerweile gibt es erste Systeme, die die laufend notwendige Kalibration der Volumenstrommessung in Verbindung mit einer Wiegevorrichtung im Transportfahrzeug vollautomatisch durchführt und somit den dafür notwendigen Aufwand minimiert. Weiterhin ermöglicht diese Technik in Kombination mit GPS-Daten eine Ertragskartierung für den Schlag, womit sogar verschiedene Ertragszonen identifiziert werden können. Derzeit wird diese Technik vermehrt von größeren Biogasbetrieben aber nur selten von Milchviehbetrieben eingesetzt. Gründe hierfür sind die oft fehlende Verfügbarkeit beim Lohnunternehmer bzw. die Unsicherheit bezüglich des Nutzens für das Grundfuttermanagement. Seltener sind die zusätzlichen Kosten ein Hinderungsgrund, da sich diese erfahrungsgemäß je nach Region zwischen 0 und 15 € pro ha und Jahr bewegen.

Beim Grünland kommt erschwerend hinzu, dass 3 bis 5 Schnitte pro Jahr geerntet werden und dass der Einsatz der Technik derzeit noch bei jedem Schnitt erforderlich ist, um den Jahresertrag pro Schlag zu bestimmen. Eine weitere Einschränkung ist die oft fehlende Schnittstelle für die Datenübertragung vom Häcksler zur Schlagkartei/Software des Landwirts bzw. von der Auswertesoftware des Häckslerherstellers zum Landwirt. Gerade beim Grünland mit den häufigen Erntemaßnahmen sollte hier ein Automatismus bei der Datenübertragung und -auswertung angestrebt werden, um den Landwirt zu entlasten. In diesem Bereich sind jüngst ebenfalls erste Lösungen mit Cloud-Services bei zwei Herstellern verfügbar.

Sollte bei einzelnen Schnitten ein Ladewagen oder eine Ballenpresse eingesetzt werden, so stellte dies bislang ein Problem bei der Ertragserfassung dar. Neuerdings sind jedoch auch bei Ladewägen und Quaderballenpressen Wiegeeinrichtungen verfügbar; es gibt sogar schon einen Anbieter, der ebenfalls mit NIRS-Sensor im Ladewagen zur Bestimmung des Trockenmassegehalts arbeitet. Als weitere Alternative bieten sich Satellitendaten zur (ggf. nachträglichen) Ertragsschätzung, vor allem bei intensiv bewirtschaftetem Grünland an.

Somit bringt die Digitalisierung insbesondere bei der Ertragserfassung im Grünland viele Vorteile für den Landwirt und der Stand der Technik nähert sich der Automatisierung der verschiedenen Prozessschritte an. Daher gilt es, diese neue Technik künftig für den Betriebserfolg zu nutzen!

Literatur:

Köhler, B., Spiekers, H., Kluß, C. Taube, F. (2017). Leistungen vom Grünland im Futter-baubetrieb – Analyse auf Betriebsebene unter bayerischen Standortbedingun-gen. Berichte über die Landwirtschaft, Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft, Band 95, Ausgabe 1, Mai 2017, 32 Seiten, ISSN 2196-5099.

Smit, H.J., Metzger, M.J., Ewert, F. (2008): Spatial distribution of grassland productivity and land use in Europe. Agricultural Systems 98, 208-219. DOI: 10.1016/j.agsy.2008.07.004.