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Mehr Frauen in landwirtschaftliche Gremien

Beitrag von Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes

 

Betrachtet man den Deutschen Bauernverband oder andere landwirtschaftliche Verbände, dann fällt auf, dass wenige, bis gar keine Frauen in Gremien vertreten sind. Der Deutsche LandFrauenverband fordert beispielsweise schon länger einen höheren Frauenanteil in den Gremien der Bauernverbände. Als Interessenvertretung sind sie für alle zuständig. Also sollte es auch naheliegend sein, Frauen dort in die Entscheidungs- und Führungsebenen zu bringen.

Frauen haben eine andere Sicht der Dinge

Frauen tun Gremien gut, weil es häufig einfach die Sicht der Frauen braucht und dies gilt grundsätzlich für alle Themen. Durch ihre unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen als Männer kommen in der gemeinsamen Arbeit oft bessere oder kreativere Prozesse in Gang und sind auch ausgewogenere Ergebnisse möglich. Deshalb müssen wir weiterhin ganz intensiv darum kämpfen, dass Frauen in Entscheidungsgremien ein Platz eingeräumt wird.

Mir wird wiederholt gesagt: Frauen können auf jeden Fall kommen und sind herzlich willkommen. Das ist aber manchmal etwas halbherzig. Es muss eine echte Willkommenskultur geben und diese muss sich auch darin äußern, dass man auf Frauen zugeht. Das betrifft unter anderem die Gestaltung von Gremiensitzungen, die neu strukturiert werden müssen. Die Rahmenbedingungen müssen einfach passen, wenn wir über Zeitpunkt, Dauer und Ablauf von Sitzungen reden.

Es muss Frauen grundsätzlich möglich sein, an Organisationsveranstaltungen oder Sitzungen teilzunehmen. Damit dies vereinbar ist, müssen sie Familie und Betrieb unter einen Hut bringen können. Des Weiteren muss etwa nach der Elternzeit ein Wiedereinstieg in Gremien möglich sein. Frauen sind nun einmal in der Regel stärker mit der Erziehung der Kinder und oft auch mit der Pflege von Familienangehörigen befasst. Darauf muss Rücksicht genommen werden und dieses Signal muss Frauen ganz klar gegeben werden.

Es braucht eine Frauenquote

Braucht es eine Quote für Frauen in landwirtschaftlichen Gremien? Ich denke schon. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass man sich grundsätzlich schwer mit einem höheren Frauenanteil tut, wenn es keine Quote gibt. An manchen Stellen sind Quoten einfach nötig, wie hoch diese auch sein mögen. Und dass es keine paritätische Besetzung geben wird, ist auch klar. Das muss Schritt für Schritt angegangen werden.

Frauen tun viel für die Landwirtschaft und deren Fortbestand. Angefangen hat dies in den Sechzigerjahren mit Urlaub auf dem Bauernhof. Da war es schon immer so, dass die Frauen engen Kontakt zu den Gästen des Hofes hatten. Das ging dann weiter über Hofcafés und mittlerweile bringen sich Frauen in vielen Bereichen ganz intensiv in den Erzeuger- und Verbraucherdialog ein und können wirklich gute Ergebnisse in Sachen Vertrauensbildung vorweisen. Diese Möglichkeiten gilt es als Chance für unsere Landwirtschaft zu erkennen und zu nutzen.

Nur nicht locker lassen

Wie bringt man mehr Frauen in Gremien? Es ist auch Aufgabe des Deutschen LandFrauenverbandes, hier mit den männerdominierten Verbänden ins Gespräch zu kommen und nicht locker zu lassen. Wenn man mir sagt, dass wir ein reiner Frauenverband sind, bei dem Männer auch nichts zu melden haben, muss ich schon ein wenig schmunzeln. Sollte irgendwann eine Gleichstellung von Mann und Frau erreicht werden, dann können wir den LandFrauenverband gerne öffnen. Solange dies nicht erreicht ist, wird es weiter reine Frauenverbände geben, um an den richtigen Schrauben zu drehen. Durch viele Erlebnisse bin ich manchmal etwas erschrocken, dass dies von manchen Männern nicht wahrgenommen und uns unterstellt wird, Gleichberechtigung sei doch schon längst erreicht. Das liegt wohl daran, dass wir Frauen heutzutage zu wenig auf die Straße gehen und demonstrieren, wie es in den Siebzigerjahren noch der Fall war.

Heute hat sich zwar einiges getan, trotzdem passt es einfach noch nicht. Das Signal der Verbände geht zwar klar in die Richtung, sich für Frauen zu öffnen. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, wie ernst es gemeint ist. Die Bereitschaft unter Frauen ist da, die Gremienarbeit aufzunehmen. Und genügend Frauen dafür gibt es auch. Man muss nur noch auf sie zugehen.

Wenn eine Frau gefragt wird, ob sie sich vorstellen könne, eine bestimmte Position in einem Gremium zu besetzen, dann fragt sie: Wie viel Zeit kostet es? Wann und wie oft findet es statt? Was ist erforderlich und was wird erwartet? Frauen fragen sehr genau nach. Männer ticken hier ein bisschen anders. Viele nehmen einen Posten ohne zu zögern an und stellen sich erst dann die Frage, wo es lang geht und was sie tun müssen. Das ist jetzt zugegebenermaßen etwas überspritzt formuliert.

Verbände, die den Anspruch haben, die Interessen aller ihrer Mitglieder zu vertreten, müssen sich aktiv auf den Weg machen, diese Vielfalt auch in ihren Vorständen abzubilden.