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Vom Aufwuchs möglichst viel nutzen – Verluste bis zum Milchtank zur Optimierung des Futterertrags minimieren!

Beitrag von Prof. Dr. Hubert Spiekers, Leiter Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft, LfL Bayern

Der erfolgreiche Milchkuhhalter nutzt den Aufwuchs von Wiese und Feld möglichst vollständig. Verluste an Menge und Qualität sind daher soweit möglich zu vermeiden. Dies gilt umso mehr, wenn Trockenheit die Erntemenge mindert oder verschlechtert und die Stoffstrombilanz hohe Grobfutterleistungen honoriert. Die Verluste an Trockenmasse vom Aufwuchs bis zum Trog betragen 20 bis weit über 30 %. In der Düngeverordnung wird bei Grünland ein Aufschlag von 25 % zum Futterverzehr und beim Silomais von 15 % angesetzt, um den Ernteertrag abzuschätzen.

In der Praxis zeigen sich hier erhebliche Unterschiede. Dies hängt einmal vom Ernteverfahren und zum anderen vom konkreten Vorgehen ab. Beim Grünland ist zwischen Weide, Heu und Silage zu unterscheiden. Bei einer konsequenten Kurzrasenweide resultieren die geringsten Verluste. Allerdings muss die Beifütterung dann unterbleiben oder „kontrolliert satt“ erfolgen.

Beim Heu können die Lagerverluste relativ niedrig gehalten werden bei allerdings relativ hohen Verlusten auf der Fläche. Geringe Verluste auf der Fläche und hohe Qualitäten sind bei Unterdachtrocknung möglich. Die Investitionen, der Arbeitsaufwand und die Energiekosten sind aber erheblich. Standard ist daher die Silagewirtschaft. Anzustreben sind eine schnelle Milchsäuregärung und ein geringer Verlust am Siloanschnitt.

Je schneller der pH-Wert abfällt umso weniger Verlust tritt auf und umso geringer ist der Abbau beim Futtereiweiß. Siliergut, Siliertechnik und Siliermitteleinsatz sind die wichtigsten Ansatzpunkte. Bei der Entnahme ist die Nacherwärmung am Anschnitt zu minimieren. Verdichtung, Vorschub und Siliermittel zur Minderung der Nacherwärmung sind die Stellgrößen. Siliersicherheit ist das Ziel. Die Verluste sollten im Silo 8 % der Trockenmasse nicht überschreiten. Bei Gras steht die Optimierung der Milchsäuregärung im Vordergrund und beim Silomais die Vermeidung der Nacherwärmung.

Zur Sicherung des Erfolgs ist ein betriebsspezifisches Controlling unverzichtbar. Was man nicht misst, kann man nicht steuern. Ideal ist die Kenntnis des Ernteertrags, des Ertrags im Trog und der erzeugten Milch. Die Nutzung des Futtermischwagens zur Dokumentation der Mengen ist unbedingt zu empfehlen. Am Silo sind neben der analytischen Bewertung auch gut die Sinne "Sehen", "Riechen" und "Fühlen" einsetzbar.

In vielen Betrieben ist eine Minderung der Verluste um 5 bis 10 % Punkte dauerhaft möglich. Voraussetzung ist, dass konkrete Ziele gesetzt werden, die erforderlichen Maßnahmen ergriffen und nachgehalten werden. Der wirtschaftliche Erfolg stellt sich von selbst ein. Insgesamt kann der Druck auf die Fläche ohne Steigerung der Intensität gemindert werden.

Zur Person:

Prof. Dr. Hubert Spiekers ist Leiter des Institutes für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft.